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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER PROPHET

lingen des wohl vorbereiteten Anschlages Peter Medicis wie auchdes Kaisers Max auf Florenz erschließen, und wenn ihm auch einBlick auf das Geschick des Erlösers und der Propheten bangeAhnungen über das ihm selbst bevorstehende Los einflößen mochte,so mußte doch die genaue Angabe von Einzelheiten überraschen,die von ihm mehrere Jahre vor seinem Tode gemacht und nach-her zur namenlosen Verwunderung seiner Zuhörer durch die Er-eignisse bestätigt wurde. So, wenn er erklärte, nicht im Bettewerde er sterben, sondern gewaltsam durch die Hand seiner Feinde,auf dem Signorenplatze verbrannt; er kümmere sich auch nichtdarum, ob man ihn nach seinem Tode beerdige, man möge ihmeinen Strick an den Fuß binden und ihn in den Arno werfen 68 .Oder wenn er 1491, sieben Jahre vor seinem Tode, bei Auslegungdes Ps. (39):Expectans expectavi" voraussah, wie die Gottlosenzum Heiligtume stürzten, die Tore mit Beilen und Flammen be-zwangen, die Gerechten auf dem Hauptplatze verbrannten undwas das Feuer nicht verzehrt hatte, ins Wasser warfen.Hier istnichts weiter zu sagen," bemerkte später ein Verehrer 69 ,der Ver-stand steht mir still, Hand und Feder sind wie gelähmt."

Den Eindruck, welchen die Erfüllung solcher Voraussagungen,namentlich der wichtigsten, der Ankunft des neuen Cyrus, aufden Propheten selbst wie auf die Gläubigen machte und machenmußte, kann man sich nun aber nicht stark genug vorstellen.Damit war ja nun das Siegel göttlicher Bestätigung auf seine Pro-phetie gedrückt, und die bisherige Verwirklichung bot die sichersteBürgschaft, daß sich auch die noch ausstehenden Verheißungenbewahrheiten würden. Daß manche von diesen nicht eintrafen,wie die Bekehrung der Türken, konnte bei seinen Lebzeiten wederer selbst noch sonst jemand wissen. Ohnehin bildete eben dieserPunkt schon seit Joachim von Fiore einen festen Bestandteil volks-tümlicher Erwartung; selbst die Gegner gestanden, die baldige Be-kehrung der Türken sei längst, besonders wieder seit den Tagendes heiligen Bernhardin, Gemeingut der italienischen Bußpredigtgewesen 70 . Der fromme Optimismus zweifelte nicht im geringsten,die Christen müßten, sobald sie sich nur erst selbst gründlich be-kehrten, mit dem hinreißenden Beispiele ihres heiligen Wandelseinen so überwältigenden Eindruck auf die Ungläubigen machen,daß diese in hellen Haufen zur Taufe herbeiströmen würden; mitdem zuversichtlichen Glauben an eine gründliche Besserung der