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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE PROPHETISCHE RELIGIOSITÄT DES FRATE

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drang er unablässig auf Verinnerlichung der Religion, auf jenereine Anbetung im Geiste und in der Wahrheit, die sich nicht inleeren Bräuchen und Zeremonien, sondern in Erfüllung des gött-lichen Willens bewährte. Gleich den Propheten trat er den Aus-artungen einer überfeinerten Kultur mit ihren Gefahren undLastern gegenüber für möglichste Einfachheit und Nüchternheitim häuslichen und gesellschaftlichen Leben ein. Jene heiligesimplicitas", die sein Losungswort bildete, hatte er den alttesta-mentlichen Büchern abgelauscht, die ihren Frommen nachrühm-ten, daß sie in ihres Herzens Einfalt vor dem Herrn wandelten(3 Kön. 9, 4; 1 Par. 29, 17; Spr. 19, 1; 20, 7). Gleich den Prophe-ten geißelte er die mangelhafte Rechtspflege, die Bedrückung derArmen und das Schwelgen der Reichen und Großen auf Kostender Bedürftigen und Kleinen. Wenn er die Politik in den Dienstder Religion stellte, so handelte er als gelehriger Jünger seinerprophetischen Meister, die einem großen Teile ihres Wesens nachPolitiker waren und in die äußere wie innere Politik ihres Volkesstets aufs stärkste eingriffen, um es in seiner Religion zu erhaltenund vor den Schäden der Politik zu bewahren 23 . Gleich denPropheten war er vom unauflöslichen Zusammenhange des sitt-lichen Verhaltens der Menschheit mit dem Welt- und Nalur-geschehen aufs lebhafteste durchdrungen. Gleich den Prophetenverkündete er seinem Volke vor allem Unheil, gleich ihnen gab erjedoch die Hoffnung nicht auf, Gott werde sich schließlich dochnoch erbarmen, gleich ihnen war er Unheils- und Heilsprophetzugleich. Wie die Propheten, wie Arnos und Osea im besonderen(Am. 2, 6 ff.; 3, 9 ff.; 5, 4 ff.; 8, 4 ff.; Os. 4, 1 ff.; 5, 1 ff.), so er-kannte und klagte auch er, daß Meineid, Raub, Diebstahl, Mord,Unzucht und Ehebruch im Schwange waren, weil die Priester dasVolk, statt es in der wahren Gotteserkenntnis zu unterweisen,verführten und in dem heidnischen Gebaren, dem sie ja auchselbst verfallen waren, erst recht bestärkten. An den Prophetenbeobachtete er es und bei Arnos (3, 7) las er es ausdrücklich ge-schrieben, daß Gott nichts Großes tue, namentlich keine schwerePrüfung über die Gläubigen verhänge, er gebe denn sein Geheim-nis zuvor durch seine Knechte, die Propheten, allem Volke kund 24 .Diese Worte des Sehers waren für ihn der unumstößliche Beweisdafür, daß die Prophetie eine der Kirche für alle Jahrhunderteihres Bestandes anvertraute Mitgift sei, wie es denn in der Schrift