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DER BETER UND MYSTIKER
Gebetes von Gottes Gnaden, ein Mystiker von Gottes Gnaden.Auch er ging in seinen Predigten und Schriften und besonders inseinem Büchlein „Von der Einfalt des Christenlebens", „vomAußenleben zum Innenleben, von der. Zerstreuung zur Samm-lung, vom Vielen zum Einen, vom Geschöpflichen zu Gott",durchaus im Sinne der deutschen Mystik und besonders einesMeisters Eckhart und Johannes Tauler, denen das Entwerdenvon allen Geschöpfen stets die unerläßliche Vorbedingung desEinswerdens mit dem Schöpfer war. In seltenem Maße ver-mählte sich in ihm das beschauliche Leben mit dem tätigen. Dieanmutige Rahel und die fruchtbare Lia, die innige Maria unddie emsige Martha, in welchen die heiligen Väte,r und Geistes-lehrer die Vorbilder der beiden Stände des christlichen Lebenserblickten, reichten sich in seiner Seele zu idealer Harmonie dieHände. Im beschaulichen Gebete wie Johannes der Liebesjüngeran der Brust des Heilands geborgen, sog er aus ihr jene tiefereligiöse Weihe, die all sein Handeln verklärte; aus dem boden-losen Schachte seiner unendlichen Gottesliebe schöpfte er diehilfsbereite Nächstenliebe, die ihn aus dem heiligen Friedenseiner stillen Klosterzelle hinaus ins stürmische Leben trieb, wieihn die heißen Kämpfe, die er hier zu bestehen- hatte, wiederzurück in die selige Ruhe seines beschaulichen Gottesverkehrsdrängten und seinem Betrachten und Flehen jene entschiedeneRichtung auf ein praktisches Ziel gaben, die sein Gebet zur Ar-beit und seine Arbeit zum Gebete stempelten. Wenn es nunwahr ist, was erfahrene Geistesmänner behaupten 66 , daß die per-sönliche Heiligkeit eines Mannes desto vollkommener wird, jemehr er die beiden Stände in sich zu vereinigen weiß, so ist derRang leicht zu ermessen, der dem Oberen von S. Marco gebührt.Wie für einen heiligen Bernhard, für Brigitta von Schweden, fürHildegard von Bingen, für Katharina von Siena war die mystischeGottesliebe auch für den Frate die hohe Schule des Apostolatsund jener heißen Liebe zur Kirche, der mystischen Heilands-braut, die ihn mit dem heiligen Freimute beseelte, die pflicht-vergessenen Hirten, die ihre Herde den reißenden Wölfen über-antworteten, mit rücksichtsloer Strenge zurechtzuweisen 67 . DerMystiker Savonarola war der Vater des Propheten Savonarola.Von dem Gegensatze zwischen Mystik und Prophetie, der inneuester Zeit entdeckt ward 68 , keine Spur; sein mystisches und