DIE VERZÜCKUNG
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der Leib Christi unversehrt bleibt, wenn auch die Gestalten ge-brochen werden, so darf die Seele ihre Liebesgemeinschaft mitChristus durch irdisches Leid nicht brechen lassen. Währendder Messe soll sie den Erlöser auf seinem Leidenswege Schrittfür Schritt begleiten, die Kommunion aber wenigstens im Geisteempfangen und sich ganz in Gottesliebe verwandeln.
Die Krönung und Vollendung des beschaulichen Gebets in derinnigsten Liebesvereinigung mit Gott und die hiermit verbundeneunaussprechliche Wonne ward auch dem Frate selbst zuteil.Wiederholte Andeutungen in seinen Predigten und Schriften 62lassen einen Zweifel hieran um so weniger aufkommen, als sichauch die Begleiterscheinungen einstellten, die auf jener höchstenStnle christlichen Lebens einzutreten pflegen, Verzückungen, Ge-sichte und Stimmen. Zum Himmel entrückt und mit dem gött-lichen Lichte vermählt, ließ seine Seele den Leib, wie JohannFranz Pico erzählt 63 , nicht selten aller Sinne beraubt wie totliegen. Dies geschah häufig, wenn er das heilige Opfer dar-brachte, das er daher möglichst ohne Zeugen zu feiern pflegte.Doch begegnete es ihm demselben Gewährsmanne zufolge auchinmitten seiner Brüder, daß ihm beim Gebete die Besinnungschwand. Zu Brescia war er einst, wie man wenigstens späterzu melden wußte, während der Christmette mit solcher Inbrunstin die heiligen Geheimnisse vertieft, daß sein Leib fünf Stundenlang bewußtlos blieb; sein Antlitz aber verbreitete solchen Glanz,daß er die ganze Kirche erhellte. Wenn nun die Geisteslehrereinfache Natürlichkeit und hehre Weihe, probehaltige Demutund echte Hoheit, schaffensfrohe Berufstreue und glühendenSeeleneifer, gewissenhafte Arbeit am Heile der eigenen Seele undopferwillige Hingabe im Dienste des Nächsten für unzweifelhafteAnzeichen charismatischer Begnadigung halten 64 , so prägen siemit solchen im Frate aufs deutlichste verkörperten Merkmalender von ihm vorgenommenen Einschätzung seines prophetischenLichtes das Siegel der Bestätigung auf, das nur anzufechten ver-mag, wer je nach Bedürfnis zweierlei Maß anlegt und statt ge-wissenhafter Prüfung vorgefaßten Meinungen folgt 65 . Das Gebets-leben des Frate war so echt wie sein charismatisches Erleben.
Macht die Pflege des inneren Gebets, der trauliche, innigeLiebesverkehr der Seele mit ihrem Gotte den Mystiker aus, sowar Savonarola, der Mann des betrachtenden und beschaulichen