DIE STUFEN DER VOLLKOMMENHEIT
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*i(t, es bleibe nichts übrig, als in heißem Gebete zum-Herrn zu flehen,
"ndife; w ie er dies auch selbst schon hundert- und tausendmal getan habe.
Mit seinen frommen Ermahnungen zum Streben nach christ-licher Vollkommenheit hatte der Frate keineswegs nur seineMönche oder sonstige Ordensleute, sondern namentlich auch dieLaien beiderlei Geschlechtes im Auge, die sich mit ganz besonde-rem Eifer um seine Kanzel scharten. Auf Ersuchen des Bologne-sen Agamemnon Marscottode'Calvi, der eine Zeit-lang florentinischer Podestä und ein warmer Freund des Frate 53war, verfaßte dieser im Februar 1498 eine kurze „Abhand-lung über die sieben Stufen der christlichenVollkommen hei t", die vom Notar Philipp Cioni für dieNonnen von St. Lucia in Florenz aus dem Lateinischen insItalienische übersetzt wurde 54 . Der Frate pries hier die Seeleglücklich, die sich zur höchsten Stufe der Vollkommenheit empor-gerungen habe, jenem seligen Zustande einer von der Außenweltnicht mehr gestörten inneren Ruhe, in dem sie die Strahlen gött-licher Erleuchtung wie ein reiner Spiegel in sich aufnimmt, sodaß ihr Glaube gleichsam zum Schauen, ihre Hoffnung zum Be-sitze, ihre Liebe zum Feuer wird. Übel ist dagegen der daran,der die erste Stufe, die alles höhere Streben bedingende göttlicheGnade, noch nicht erklommen hat; er darf nicht ruhen nochrasten, bis er ihre'r teilhaftig wird und zum Genüsse der Gottheitgelangt ist. In seinen „RegelnzueinemfrommenLebenfür seine Jünger und Söhn e 55 " hielt er diese zur in-brünstigen Gottesliebe, zur Demut, zur Wachsamkeit im Urteileüber den Nächsten, zur Vermeidung aller lieblosen Reden undzur Barmherzigkeit gegen die Armen an. Die „Regeln zueinem frommen christlichen Leben für seineJunge r 56 " empfahlen als bestes Mittel zur Gewinnung derGnade fleißige Betrachtung der Vergänglichkeit alles Irdischenund der letzten Dinge, häufige Beicht und jährlich wenigstensviermalige Kommunion 57 . Zwar kann ohne besondere göttlicheOffenbarung niemand gewiß wissen, ob er im Stande der Gnadesei; doch darf er es annehmen, wenn er den festen Vorsatz hat,Gott nicht zu beleidigen, die Gebote Gottes hält, die Welt mit ihrerLust flieht, am Worte Gottes und an den kirchlichen ÜbungenGefallen hat und die Trübsale geduldig erträgt. An irdischenDingen darf man so viel begehren, als man seinem Stande gemäß