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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER BETER UND MYSTIKER

nur in den bewährten Bahnen kirchlicher Geistesmänner, die stetszwischen dem mündlichen und dem inneren oder betrachtendenGebete unterschieden und in der Beschauung die reife Fruchteiner jahrelang geüblen Betrachtung erblickten 47 . Mit den her-vorragendsten Geistesmännern hielt der Frate stets an einer un-gehemmten Fortdauer der menschlichen Tätigkeit auf allen Stufendes betrachtenden und beschaulichen Gebetes fest; nichts lag ihmferner als ein träger Quietismus im Sinne Molinos. Ein ähnlichesVerfahren, wie er es in seiner vierfachen Auslegung des Vater-unsers zur Anwendung gebracht hatte, schlug er in einer anderenErklärung des Herrngebetes' 8 " ein, indem er dieBetrachtung jeder Bitte mit einem Gebete einleitete und beschloß.Indem er sich über die BitteZu uns komme dein Reich" ver-breitete, gab er der Überzeugung Ausdruck, dieses Reich könnenicht mehr ferne sein, da die Anzeichen des großen Gerichtstages,grausame Kriege, Aufstände, Pest und Krankheiten aller Art so-wie gefährliche Spaltungen in der Kirche bereits sichtbar seien.Die BitteGib uns heute unser tägliches Brot" verstand er alseine Mahnung zur christlichen Genügsamkeit und Einfachheit.Nicht um kostbaren Kleiderschmuck und ähnliche Eitelkeiten,sondern um das zur Lebsucht Notwendige, kurz, darum sollen wirflehen, daß uns Gott vor Reichtum und Armut, Überfluß undMangel gleicherweise bewahren möge. So hohe Stücke hielt derFrate auf das Vaterunser, daß er noch eine dritte, ganz kurzeAuslegung verfaßte, einen gedrängten Auszug aus den frühe-ren Erläuterungen 48 . Warme Töne schlug er auch in seiner aufErsuchen ferraresischer Nonnen geschriebenenAuslegungdes englischen Gruße s 50 " an. Wiederum schärfte er ein,besser sei ein andächtiges Avemaria als hundert zerstreute, dennGott und seine Mutter wollen das Herz. Ein herrliches Musterinneren, an die Heilige Schrift anknüpfenden Gebetes gab er inseinenBetrachtungen über den Psalm (79):Derdu Israel lenkes t 51 ", die mit den schon früher erwähntenfrommen Anmutungen über die PsalmenMiserere" undIn te,Domine, speravi" zum Schönsten gerechnet werden, was dieKirche besitzt 52 . Wie in seinen Predigten beklagt er auch hierden durch das schlechte Beispiel des unverbesserlichen Klerus ver-schuldeten traurigen Zustand der Kirche, dem nur Gott selbst ab-helfen könne; der Mensch vermöge aus eigenen Kräften nichts,