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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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ERKLÄRUNG DES VATERUNSERS

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flehen. Er muß sodann langsam und sorgfältig lesen, die Sätzeüberdenken und immer die Anwendung auf sich selbst machen,einer Frau gleich, die sich putzt und immer wieder in den Spiegelschaut, um zu sehen, wie ihr die Sache steht. Dem heiligen Antonnützte es mehr, die Worte lesen zu hören:Wenn du vollkommensein willst, so gehe hin und verkaufe deine Habe!" (Matth. 19, 21),als vielen großen Theologen ihre ganze Theologie. Nichts führtsicherer zur Lauheit, als wenn man die Heiligen Schriften ohneEhrfurcht und ohne Anwendung aufs tägliche Leben behandelt.Die Erfahrung lehrt es, denn die Ordensleute und Weltpriester,die sich doch immer mit den heiligen Büchern beschäftigen, füh-ren gleichwohl ein schlechtes Leben und sind lau und unver-besserlich. In der Absicht, seinen Getreuen eine Anleitung zurerbaulichen Lesung der Heiligen Schrift und der an sie anknüp-fenden Gebets- und Betrachtungsweise zu geben, veröffentlichteder Frate eineErklärung des Gebetes des Herr n 45 ",die er dem florentinischen Staatsmanne Philipp Valori (f 1494)widmete, zum Danke für seine Bemühungen in Sachen der Tren-nung S. Marcos von der lombardischen Kongregation. Er legtehier dar, wie man die Bitten des Vaterunsers zunächst lesen, dannbetrachten, hierauf im Gebete zusammenfassen und endlich zumGegenstande innerer Beschauung erheben solle. Durch die Lesung,Lectio, erreichen wir ein gewisses Verständnis des Wortlauts. Inder Betrachtung, Meditatio, gilt es nun, die hochheiligen Wortereiflich zu überdenken, ihnen andächtig und demutsvoll nachzu-sinnen und so in ihren tieferen Gehalt immer mehr einzudringen.Den Niederschlag dieser inneren Verarbeitung bildet ein Gebet,Oratio, das die in der Betrachtung gewonnenen frommen Gedan-ken und Anmutungen in einem flehentlichen Aufrufe zu Gott zu-sammenfaßt. Ihre höchste Stufe erreicht die fromme Aneignungder in Herrnworten verborgenen heiligen Schätze in der Beschau-ung, Contemplatio, die freilich nicht schon von Anfängern imStreben nach Vollkommenheit, sondern erst von Fortgeschrittenenals Frucht längerer Übung angestellt werden kann, da sie eineungewöhnliche Ruhe und Läuterung des Geistes voraussetzt unddaher nur Sache weniger Begnadeter ist. Nur sie haben ja auchvon der Süßigkeit eine Vorstellung, die mit der Beschauung ver-bunden ist, Anfängern geht hiervon noch kaum eine Ahnving auf 46 .Mit solchen Erklärungen bewegte sich der Frate aber wiederum