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2 (1924) Das Streben
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ABHANDLUNG ÜBER DAS GEBET

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Apostels gemäß:Ihr möget essen oder trinken oder etwas an-deres tun, so tut es zur Ehre Gottes" (1 Kor. 10, 31). Näherhinsoll man so lange im Gebete verharren, als die Spannung anhält;sobald sie nachläßt, kehre man zu seiner gewohnten Beschäf-tigung zurück, wende sich aber nach einiger Zeit wieder dem Ge-bete zu, nach dem Beispiele der ägyptischen Mönche, die häufig,aber immer nur kurz beteten. Man lege sich auch nicht auf be-stimmte Gebete oder Psalmen fest, sondern mache von Zeit zu Zeitverstohlens eine Anmutung, wie der Erlöser sie eingibt, man kannselbst beim kürzesten Stoßseufzer eine engelhafte Süßigkeit ko-sten. Das Gebet ist um so verdienstlicher, je mehr es der Liebeund der Demut entspringt. Die Seele muß alles, was sie je Gutesgewirkt, Gott allein, sich selbst aber nur Sünden zuschreiben, wiewir denn in Wahrheit bekennen dürfen, daß all unsere WerkeSünden sind. So wenig sich der Hammer wider den Schmiedrühmen darf, als habe er den Nagel verfertigt, da er doch nurdas Werkzeug in der Hand des Meisters ist, ebenso ist der Menschnur das Werkzeug in Gotteshand. Mündliches Gebet ist nur nötig,soferne es, wie das Stunden- und Chorgebet, pflichtgemäß ist odereinem Gelübde entspricht. Zuweilen dient das mündliche Gebetzur Anregung der Andacht; fühlt man sich aber in der geistigenErhebung durch Worte gehindert, so lasse man diese und betemit dem Geiste ohne Worte, denn wie Gott selbst Geist ist, so hater seine Freude an solchen, die geistig beten. Beim pflichtmäßigenGebete braucht man nicht auf den Sinn der einzelnen Worte oderSätze zu achten, vielmehr muß man nach der Vereinigung mitGott streben. Um im mündlichen Gebete geistige Süßigkeit zu ge-nießen, versetze man sich in die Gegenwart Gottes und opfereihm verstandene wie unverstandene Worte auf, denn wenn sichdie Seele in Gott versetzt, so gerät sie oftmals ganz außer sichund vermag sich vor Seligkeit nicht mehr zu fassen, so daß sichdiese auch äußerlich im Körper ausprägt. Dieses geistige Betenist ganz engelhaft und das Vorrecht jener begnadeten Seelen, dieschon hienieden des ewigen Lebens teilhaftig werden. Um jedochdas Herz zu Gott zu erheben, muß man es von aller Anhänglich-keit an das Irdische vollkommen losreißen, man muß ferner be-müht sein, alles zu tun, was dem Erlöser Freude bereitet, beson-ders aber sein Leben und Leiden und die Vergänglichkeit allesIrdischen betrachten.