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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER BETER UND MYSTIKER

Wunsche im Hinblicke auf die Trostlosigkeit der gegenwärtigenWeltlage, die es den Gläubigen doppelt zur Pflicht mache, an diePforte der göttlichen Barmherzigkeit zu pochen, auf daß sie indiesem elenden, schamlosen, eisernen, zerrütteten Zeitalter, dadie Frömmigkeit nachgerade schon als Sünde und Sünde als Ver-dienst gelte, die Kirche und den Glauben nicht ganz zugrundegehen lasse. So entstand seineAbhandliingüber das G e -b e t 38 ", die in drei Abschnitten von der Notwendigkeit, Beharr-lichkeit und Beschaffenheit des Gebetes handelte. Das Gebet, er-klärte er hier, ist göttliches Gebot, aber nicht so fast Pflicht wieGnade und süßeste Lust. Es ist eine trauliche Unterredung, eineVereinigung der Seele mit ihrem Erlöser. Es ist äußerst ersprieß-lich, denn es fördert unseren Eifer im Dienste Gottes und unsereBereitwilligkeit zu guten Werken, die auf andere eine heilsamereWirkung ausüben als viele Predigten, wie auch ein seeleneifrigerPrediger, selbst wenn er die Gabe des Wortes nicht besitzt, mehrzur Frömmigkeit stimmt als ein beredter ohne Eifer. Wir solltendie meiste Zeit in Gebet und Betrachtung der himmlischen Dingeverbringen, denn dies ist die süßeste und vollkommenste Beschäf-tigung, die es auf Erden geben kann, und verleiht uns einen Vor-geschmack des ewigen Lebens. Wenn man wirklich schon hie-nieden jemand selig preisen darf, so nur Leute, die sich einemfrommen und beschaulichen Leben widmen, denn in ihrer Liebezu Jesus besitzen sie die Bürgschaft ewigen Lebens. Inständig er-mahne ich euch daher zum Gebete und zur Betrachtung, die euchmit eurem süßen Bräutigame Jesus vertraut macht, von dem ihrdann auch alles zum Seelenheile Nötige erlangen werdet. Um derFrüchte des Gebetes teilhaft zu werden, genügt es, wenigstens zuBeginn des Gebetes den festen Willen zur Andacht zu haben,mögen dann gleich unfreiwillige Zerstreuungen eintreten, wie esja auch nicht erforderlich ist, daß die Hand, die den Stein schleu-dert, diesem durch die Luft nachfolgt. Wenn der Erlöser mahnt,man solle ohne Unterlaß beten (Luk. 11, 5 ff. 18, 1; 1 Thess. 5, 17),so ist dies nach dem heiligen Thomas 39 von der Liebesbereitschaftzu verstehen, auf Grund deren der Mensch seinen Sinn wenn auchnicht tatsächlich, so doch dem Willen nach beständig auf Gottgerichtet hält, entschlossen, zu beten, so oft er kann. Auch derbetet immer, der nicht aufhört, Gutes zu tun, und sein ganzesLeben der Ehre und dem Dienste Gottes weiht, dem Worte des