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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER BETER UND MYSTIKER

Jesus nicht antreffe. Da du mir vom Bräutigam sprachest, sohörte ich gerne auf dich, denn ich liebte den Bräutigam. Jetztaber ist er selbst zugegen, und so lasse ich dich und gehe zu ihm,denn ohne ihn möchte ich weder dich noch alle Heiligen desHimmels. Indem ich mich nun wieder an euch wende, mein HerrJesus und meine liebe Frau Maria, bitte ich euch, erbarmet euchunser, öffnet die Himmel und steigt herab in unsere Herzen!Siehe, o Jesus, betrachte, o Maria, von welchem Unwetter wirbefallen sind! Die ganze Welt geht drunter und drüber, alle Tu-gend ist erloschen. Kein Licht leuchtet mehr, die Kirche ist sosehr die Beute jedes Lasters geworden, daß alles verloren ist,wenn du nicht deine barmherzigen Hände ausstreckst. Ihr aber,liebe Brüder, betet diese Feiertage, vielleicht tut sich um unsert-willen der Himmel auf. Reiniget eure Herzen, bereitet Jesu eineStätte, betrachtet ihn mit Maria in der Wiege! Und betet auchfür mich armen Sünder, auf daß sich Gott meiner erbarme undeinen getreuen Knecht aus mir mache, und ebenso will ich füreuch beten!"

In einer Predigt 0 , für welche er den Vorspruch gewählt hatteDenn entflammt ist mein Herz" (Ps. 72, 21), warf der Frate dieFrage auf, wie es wohl komme, daß die sinnliche Liebe der täg-lichen Erfahrung gemäß unendlich stärker sei als die geistige, dadoch der Geist unendlich stärker sei als das Fleisch.WelcheLiebe", führte er aus 10 ,hegt eine Mutter für ihr Kind! WelcheOpfer bringt sie für es! Sie schläft nicht, sie ißt nicht, sie weichtnicht von seiner Seite und erntet zuweilen doch nur schnödestenUndank, ja sogar Schläge von ihm, söhnt sich aber mit ihm gleich-wohl sofort wieder aus. Was tut nicht ein Verliebter für seineGeliebte! Er träumt nur von ihr, er spricht nur von ihr, all seinSeufzen und Schmachten gilt ihr. Tag für Tag ist seine einzigeSorge, sich zu schmücken und herauszuputzen. Keinen Tag läßter verstreichen, ohne sie zu besuchen. An den Straßenecken stehter auf der Lauer, wo sie vorbeikommen muß. Er kümmert sichnicht um seinen Ruf, nichts liegt ihm an seiner Ehre. Er schläftnicht, häufig bringt er ihr während der Nacht ein Ständchen, ersingt, er musiziert vor ihrer Tür, um ihr bei ihrem Erscheineneine Freude zu bereiten. Er kennt keine Gefahren, und wenn ersolche oft genug doch zu bestehen hat, so ist er entschlossen, zusiegen und alle Hindernisse zu bewältigen. Von all dem ist nun