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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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PREDIGT ÜBER DIE JESUSLIEBE

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aber heutzutage an denen nichts zu bemerken, die man Geistlichenennt und als die Vertreter der geistigen Liebe ansehen möchte.Sie sprechen fast niemals von Gott, ihr Sinn richtet sich immernur nach irdischen Dingen. Sie seufzen in ihren Gebeten nichtnach ihrem Seelenbräutigam Jesus. Sie schmachten nicht in Liebezu ihm. Sie tragen keine besondere Sorge, ihm zu gefallen oderihre Seelen mit Tugenden auszuschmücken. Sie besuchen ihnnicht, betrachten weder seine Schönheit noch seine Güte nochseine Liebe zu uns. Sie haben keinen Blick für sein Kreuz undLeiden. Ihre eigene Ehre und ihr eigener Ruf steht ihnen höherals die Ehre Gottes. Eine Nacht in Gebeten oder Andachtsübun-gen hinzubringen, fällt ihnen allzu schwer. Sie haben die größteAngst vor dem Sterben. Jedes Opfer um Christi willen ist ihnenzu hart. Müssen wir da nun nicht gestehen, daß die geistige Liebeentweder nicht stärker als die sinnliche ist, oder daß wir diesegeistige, wahre Liebe zu Gott nicht besitzen? Lebte sie in uns, sowäre sie auch wirksam in uns, nach den Worten des heiligen Gre-gor: ,Die Gottesliebe ist niemals müßig. Wo sie ist, wirkt sie Gro-ßes; wirkt sie es nicht, so ist sie nicht da 11 '. Überdies sagt derAreopagite von der Liebe Gottes, sie verursache Verzückung 12 , dennVerstand und Gemüt des Liebenden gehen so sehr in unermeß-licher Liebe zum Geliebten auf, daß er sich selbst und die Weltund Sinne und Körper vergißt. Wo sind nun die Christen heut-zutage, die so sehr in Gottesliebe aufgehen, daß sie außer sich undder Welt sind?" ,,Wenn die Liebe zu Jesus", erklärte er seinenZuhörern ein andermal 13 ,von einem Herzen Besitz ergriffen hat,so malt sie sich alles aus, was er einst auf Erden aus Liebe zu unsgetan hat, und wie die Braut im Hohenliede spricht: ,Ein Myrrhen-bündel ist mir mein Geliebter, zwischen meinen Brüsten wird erruhen' (Hohel. 1, 12), so spricht auch die Seele: Der Tod und dasLeiden und all die Trübsale und Bitternisse, das Myrrhenbündelmeines geliebten Herrn Jesus, werden stets in meinem Gedächt-nisse haften, aus Liebe zu ihm verschmachte ich. Daher warendenn auch die Heiligen so sehr in die Betrachtung Christi vertieft,daß sie ganz außer sich und verzückt waren, so daß sich die Sü-ßigkeit ihrer Liebe auch in ihrem Äußeren ausprägte. Von dieserJesusliebe ergriffen, rief der Psalmist aus: ,Denn entflammt istmein Herz, und meine Nieren sind verwandelt' (Ps. 72, 21), d. h.meine Sinne sind wie verklärt, und nur mehr auf das Göttliche