166IX. Geschichte einiger in der Stadt ansäßiger oder dortherstammender Familien und bedeutender Männeroder dort belegener Güter.1. Die Familie Schenk von Uldeggen.Vergl. Geschichte der Familie Schenk von Nideggen, insbe-sondere des Kriegsobristen Martin Schenk, Neuß 1860.Eine eigenthümliche Sitte des germanischen Mittelal-ters ist es, daß Fürsten bei der Tafel und sonst wo vonadligen, oft dem hohen Adel angehörigen Personen bedientwerden und daß ein solches Bedientenamt, weit entferntals eine Herabwürdigung betrachtet zu werden, vielmehrals eine Ehre gesucht wird. Es war dies ein Zeichen derAbhängigkeit, das nur als solches Bedeutung hatte, daeine wirkliche Bedienung blos bei festlichen Gelegenheitenvorkam. So wurden dem Kaiser von den Churfürsten,diesen, wie andern weltlichen Fürsten und Bischöfen vonGrafen und Rittern Hofdienste geleistet. Dieses ganze In-stitut bildete sich vorzüglich aus an dem Verhältnisse derMinisterialen oder Dienstleute, d. h. derjenigen unfreienLeute, die zur persönlichen Bedienung ihres Herrn oder zuVerrichtungen verwendet wurden, welche eine besondereKunstfertigkeit erheischten. Sie waren vor den übrigenUnfreien bevorzugt, erhielten eigene günstige Dienstrechte,häufig sogar Lehngüter, und da ihre Stellung dadurch zueiner ehrenvollen, auch von freien Männern, die sich dannaber ihre Freiheit ausdrücklich vorbehielten, gesuchte wurde,so verschwand allmählich die Ansicht, daß sie in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt seien und man zählte sie nebstden eigentlichen Vasallen, d. h. den nur zu Ritter,= nichtzu Hofdiensten Verpflichteten dem niedern Adel bei, gleichdem sie von nun an Ritterdienste leisteten, während siezur persönlichen Bedienung ihres Herrn nur bei Festenverwendet wurden.Solche Ministerialen hatten auch die Grafen von Jü-lich schon frühzeitig. Zu denselben gehörte eine Familiedie sich von dem Schlosse, auf dem sie schon seit dem An-fange des 13ten Jahrhunderts das erbliche Amt des Mund-schenken versehen hatte, Schenk von Nidecke nannte, deren
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