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Geschichte der alten Jülich'schen Residenz Nideggen
Entstehung
Seite
93
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93Verrichtungen ursprünglich wohl nur in der Rechtsprechungbestanden. Während er noch im Anfang des 16ten Jahr-hunderts bei Magistratsbeschlüssen gar nicht mitwirkt, un-terzeichnet er später die meisten Rathsprotocolle. Da Amt-mann und Vögte in späterer Zeit nicht mehr in Nideggenwohnten, wurde er die erste Persönlichkeit in der Stadt,zumal 1701 bei einer Rangstreitigkeit Bürgermeister, Schöf-sen und Rath bezeugen, daß bei Processionen und sonst woder Schultheiß vor dem Kellner stets den Vortritt gehabthabe. Characteristisch ist es auch, daß es bei allen Be-schlüssen, wozu er mitwirkte, nicht mehr, wie früher, hieß:„Bürgermeister, Schultheiß, Scheffen und Rath“, sondern„Schultheiß, Bürgermeiſter, Scheffen und Rath.“ DerSchultheiß strebte seinen Einfluß fortwährend zu steigernund er, der früher der rechtskundige Beschützer und Vertre-ter der Stadt, auch den landesherrlichen Beamten gegenüber gewesen war, versuchte nun eine derjenigen des Vog-tes in Bezug auf die Landgemeinden ähnliche Stellung zuerringen und besonders in der letzten Hälfte des vorigenJahrhunderts mehrfach die Privilegien der Stadt zu Gun-sten seiner persönlichen Allgewalt zu schmälern.!)Bei wichtigen Angelegenheiten, in denen der Magistratdie ganze Verantwortlichkeit nicht übernehmen mochte, so-wie in gefährlichen Kriegszeiten ließ er sich von der Bür-gerschaft eine Anzahl von Vertretern aus ihrer Mitte alsBeisitzer zuordnen, so 1610 wegen Kriegsgefahr einen ausjeder Straße, 1634 vier Beisitzer. Die städtischen Schuld-verschreibungen ließ er von einer Anzahl Rottmeister oderMeistbeerbten unterschreiben. Bei Führung wichtiger Pro-Eine Anekdote ist uns noch aufbewahrt in Bezug auf die stetenStreitigkeiten zwiſchen Schultheiß und Rath. Der Bürgermeiſter warnach Düsseldorf gereist und hatte dort eine der Stadt günstige Ent-scheidung von der Regierung erhalten. Als er zurückkehrend bei demHause des Schultheißen vorbeiritt, lag dieser im Fenster und da ihmder Zweck jener Reise hinterbracht worden, fragte er ironisch: „GutenTag, Herr Bürgermeister, haben sie auch das große Pferd zu Düssel-dorf gesehen?“ „Gewiß, Herr Schultheiß“, war die lakonische Antwortdes Gefragten, indem er auf seine Rocktasche schlug, „die Copie davonhabe ich da mitgebracht.