Druckschrift 
Geschichte der alten Jülich'schen Residenz Nideggen
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

Innieſennt

69ter für uneinnehmbar gehalten,!) denn da es Thorheit ge-wesen wäre, eine Erstürmung von dem Thale aus vorzu-nehmen, wo sich rings furchtbare Felsen erhoben und derhohe Berg steil abfiel, so mußte zuerst die Stadt erobertwerden, dann der Reihe nach der Burgflecken und die äu-ßere Ringmauer des Schlosses und nun erst stand derFeind vor den mindestens 45 Fuß hohen und 6Fuß dicken Mauern und Thürmen des eigentlichen Schloſ-ſes, die den ſchmalen Bergrücken vollſtändig abſperrten.Selbst eine Aushungerung war schwer, da sich die Besatzungdurch einen unterirdischen Gang, der unter der Ruhr hergeführt war und auf den Höhen der andern Ruhrseite imMontjoier⸗Lande ins Freie gelangte, mit friſchen Vorräthenversah. Einen solchen Gang von ungeheuerer Tiefe wol-len ältere Leute gekannt haben; derselbe soll aber verschüttetworden sein, als sich ein Kind darin verirrt hatte und um-gekommen war. Die Sage erzählt von ihm: Einſt wurdeder Graf von Jülich von einer großen Heeresmacht belagert. Da alle Stürme erfolglos blieben, beschloß man ihnauszuhungern und da man glaubte, daß er alle Lebens-mittel verzehrt habe, schickte man ihm höhnend eine gebra-tene Katze zu. Der Graf aber erwiderte die Gabe durcheinen lebendigen Hasen, den er sich durch den Gang ver-schafft hatte. Da sahen die Feinde, daß eine längere Be-lagerung nutzlos sei, und söhnten sich mit dem Grafenaus.Nach Erfindung des Schießpulvers vermochte die Burgkeine regelmäßige Belagerung mehr auszuhalten. So wurdesie denn 1542 nach einer kurzen Beschießung von den hö-her gelegenen und sie beherrschenden Bergen der Süd= undSüdostseite her, deren Kugelspuren die Thürme noch zeigen,von den Truppen Kaisers Carl V., 1642 von einem hessi-1) Wirklich ist die Burg im Mittelalter nicht eingenommen wor-den. Als 1277 Erzbiſchof Siegfried von Cöln im Jülichſchen eindrangfielen alle Plätze des Landes mit Ausnahme von Nideggen (und nacheinigen Quellen auch Heimbach). Der König von Frankreich lag 1388mit gewaltigem Heere drei Nächte vor Nideggen; da kam eine Sühnezu Stande, wahrſcheinlich weil den König die Feſtigkeit des Ortes, dereine langwierige Belagerung erfordert hätte, bei der vorgerückten Jah-uszeit schreckte.