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Stände als Reichssatzung anerkannt werden sollte. Den pfälzischenStandpunkt erläutert eiu Gutachten des Kurprinzen Ludwig, der indieser Frage ausnahmsweise mit seinem andersgläubigen Vater über-einstimmte. Er empfiehlt, den obigen Begriff „dahin zu extendiren",dass nicht nur die geistlichen Reichsstände ohne irgendwelchenernstlichen Nachteil die A. C. annehmen dürften, sondern die evange-lische Religionsübung auch den Landständen und Untertanen allerkatholischen Reichsstände, der weltlichen wie der geistlichen, frei-stehen sollte. Von einer Gegenseitigkeit, von dem gleichen Rechtdie A. C. mit dem römischen Bekenntniss zu vertauschen ist dabeikeine Rede; die Pfälzer fühlen sich als Verteidiger der Wahrheitgegen den Irrtum von vornherein im bessern Recht. 1 ) Aber derReligionsfriede wie jedes Compromiss beruhte ja eben darauf, dassbeide Religionsparteien die schroffe Einseitigkeit ihrer Ueherzeugungeinem gemeinsamen politischen Zweck unterordnen sollten. Auf dieInconsequenz des Gewissenszwangs, den Friedrich seinen lutherischenUntertanen aufzuerlegen suchte, müssen wir noch zurückkommen.Von dem unerschütterlichen Widerstand der Habsburger gegenjedes weitere Vordringen des Protestantismus, von ihrer Begünsti-gung katholischer Reaktionsversuche entnahm die pfälzische Oppo-sition innerhalb des Reichs ihre Berechtigung. Als einen ganzoffenkundigen Widersacher des Hauses Oesterreich bezeichnet da-mals ein venezianischer Gesandter den Kurfürsten Friedrich; derKaiser, fügt er hinzu, verfährt sehr vorsichtig mit ihm. 2 ) Seit einerReihe von Jahren hatte sich der Kurfürst in Dingen der äusserenPolitik eigentlich nur einmal den österreichischen Interessen ge-neigt erwiesen, als die Hoffnung auftauchte, den Niederlanden durchEinsetzung eines Erzherzogs die ersehnte Ruhe zu verschaffen.Uebrigens kam man in Heidelberg bald wieder von dieser Anwand-lung zurück; Friedrichs Teilnahme an den folgenden Versuchen,den Kaiser zu einer neuen Intercession in Spanien zu veranlassen,beschränkte sich auf einen gemeinsamen Schritt der vier rheini-schen Kurfürsten, dem er sich nicht wohl entziehen konnte. 3 ) Im
1) Vgl. Ritter, im Archiv für sächs. Gesch. N. F. V, 356 ff; überdie Entwickelung der die Freistellung betreffenden Polemik Stieve, Briefeund Akten IV, 156 ff.
2) Relation des Vincenzo Tron vom J. 1576 (Alberi, RelazioniI. 6, 183/4).
3) Ueber die Paeificationsbestrebungen Maximilians und die SendungRumpfs nach Spanien 1574 sowie die hiemit zusammenhängenden Ver-handlungen zu Breda 1575 vgl. Bor, oorsprongh der nederlantsche oor-