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V. Die Verhandlungen mit Conde und Johann Casimirszweiter französischer Feldzug. 574—1576.
Auch während des niederländischen Kriegs hatten weder diePfälzer noch ihre Verbündeten Frankreich aus den Augen verloren;seit Jahren liefen hier mehr als irgendwo die politischen Interessenvon ganz Europa zusammen. Selbst der gewaltige Kampf Oraniensgegen die Spanier hatte wiederholt und eben in letzter Zeit dieentscheidende Einwirkung französischer Ereignisse empfinden müssen.Die Pfälzer aber waren, mehr noch in Folge ihrer religiösen Sonder-stellung als durch die Nachbarschaft der Länder, derart mit denfranzösischen Dingen verwachsen, dass in Frankreich bereits dieRechnung aller Parteien Heidelberg als einen unvermeidlichenFaktor aufwies. Ausgehend von ihrer Glaubensgemeinschaft mitden Hugenotten hatten sich die deutschen Calvinisten daran ge-wöhnt, in allen Krisen des Königreichs ihr Wort mit dareinzu-reden; das pfälzische Schwert, das Friedrich nur für die „bedrängtenChristen" gezückt wissen wollte, begann neuerdings in der HandJohann Casimirs auch rein politischen und vor Allem persönlichenZwecken dienstbar zu werden. Kein Wunder, wenn diese „casi-mirische" Politik nach dem Scheitern des niederländischen Zugsihr Operationsgebiet wieder ganz nach Frankreich verlegt.
Sowohl der Pariser Hof als seine einheimischen Gegner warbenum die Freundschaft der deutschen Protestanten. Die Verschwörungder „Politiker", die unter Führung des jüngsten Valois das Regi-ment der Medicäerin stürzen, dem König von Polen die französischeTronfolge entziehen und einen aristokratischen Rückschlag gegenden um sich greifenden Absolutismus führen wollten, war von derRegierung noch rechtzeitig entdeckt und unterdrückt worden. Aberdie nationale Erbitterung über die „Gynäkokratie" und ihre ita-lienischen Werkzeuge Hess sich damit nicht ersticken, Tausendevon Hugenotten und Katholiken blieben unter den Waffen und derTod Karl's IX konnte, wenn König Heinrich nicht schleunig zurück-kehrte, doch noch Alles, vielleicht selbst die staatliche Einheit derNation in Frage stellen. Katbarina von Medici suchte daher dasäusserliche Einvernehmen mit den mutmasslichen Gönnern derRebellion, mit England und den deutschen Protestanten durchausaufrecht zu halten.
Wohin diese Bemühungen der Regierung eigentlich zielten,war auch den Pfälzern im Verlaufe der Königsreise vollständigklar geworden. Aber es galt, wie Graf Johann einmal sagt, gleichden Bienen sowohl aus den giftigen als aus den guten Blumen den