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Jedenfalls gab ein Besuch des Kaisers in Dresden (April 1575) demKurfürsten willkommenen Anlass, seine Reichstreue und seinenSektenhass recht augenfällig zu betätigen. Der spanische Gesandte,den Maximilian mitgenommen hatte, ward mit Ehren überhäuft,kurfürstliche Hofleute wohnten kniend der für die Gäste im Schlosscelebrirten Messe bei und die Vernichtung der „calvinischenRotte" kam vermittelst eines mehr pompösen als geschmackvollenFeuerwerks zur Darstellung. 1 ) Aber die Fürbitte des Kaisers fürden gefangenen Dr. Peucer lehnte August, der im Uebrigen ganzden kaiserlichen Wünschen lebte, mit Entschiedenheit ab.
Eben damals gedieh in Heidelberg ein Plan zur Reife, der imInteresse der Pfälzer und ihrer Freunde besser nicht gelungen wäre,aber wenigstens die feindselige Haltung Sachsens mit einem offenenSchimpf vergalt. Kurfürst Friedrich vermittelte nämlich die Ver-mählung seiner Schutzbefohlenen, Charlotte von Bourbon, mit demPrinzen von Oranien. Die hugenottische Fürstin, aus einem fran-zösischen Kloster entflohen, wurde vom Kurfürsten wie eine Tochtergehalten; im Jahr 1574 scheint der Gedanke aufgetaucht zu sein,sie mit Oranien zu vermählen, der aber von seiner ehebrecherischenGattin Anna, einer Nichte Augusts und des Landgrafen, noch nichtin aller Form geschieden war. Der Niederländer Dathenus undZuleger vertraten mit Feuereifer dieses bedenkliche Projekt, währendEhem anfangs dagegen sprach. 2 ) Katharina von Medici und König
1) Gillet, Crato I, 465 ff.; die Berichte Haberstockhs vom 26. undViehausers vom 28. April 1575 an Baiern (Ma. 231/1, beiliegend eineausführliche Relation: 230/3); die Depeschen des venezianischen Ge-sandten Tron, Prag 4. April 8. Mai (Ven. Copp); nach der letzterensagte August einmal zum spanischen Gesandten, „che sentiva estremodispiacere, che li sudditi volessero far professione d'aitra religione diquella che haveva il principe; et che questo da se haveva scritto piüche una volta al principe d'Oranges." Haberstockh berichtet u. a., manhabe „dem spanischen pottsc after seins herren stell gegeben, qui etiameum locum sibi dari facile est passus, unangesehen die mainung gewest,das er allain proprio et privato nomine daselbsten erscheinen soll" (vgl.Charriere III, 597); der Bericht auch sonst interessant.
2) "Vgl. Kl. II, 852; auch La Huguerye I, 292 lässt Junius undZuleger gegen Ehem die Partei Oraniens halten. Ebd 2.51/2 und 262wird die Entstehung des Heiratsplans in das J. 1574 verlegt; beziehtsich vielleicht hierauf das Sehr, des Sr de Lumbres, der im Juli diesesJahrs in Heidelberg war, bei Prinsterer I. 5, 38? Dass Friedrich späterSachsen gegenüber die Sache anders darstellte (Kl. II, 886), ist keinstrikter Beweis dagegen. Die Sendung des Marnix nach Heidelbergfällt in den Anfang 1575 (Prinsterer I. 5, 113).