137
setzen. Albrecht von Baiern bemühte sich freilich diese auf Un-kenntniss der Verhältnisse beruhenden Erwartungen nach Kräftenherabzustimmen; er bezeichnete namentlich den lutherischen Eiferder Kurfürstin als ein kaum zu überwindendes Hinderniss. 1 ) Aberdie Katholischen konnten sich einstweilen wohl damit begnügen,Kursachsen von jeder Spur französischer, niederländischer undpfälzischer Einflüsse gereinigt und dem Haus Habsburg fester als jeverbunden zu sehen. Welche Bedeutung dies für die bevorstehendeNeuwahl eines römischen Königs hatte, wird unten im Zusammen-hang besprochen werden. Eine Zeitlang erhielt sich sogar amkaiserlichen Hof das Gerücht, Maximilian wolle seinen ältesten Sohn,den künftigen Kaiser, mit einer sächsischen Prinzessin vermählen. 2 )
1) Vgl. über die Verhandlungen zwischen Eom und Baiern TheinerI, 222 ff.; ferner ein Sehr, des Cardinais Hosius an Daniel von Mainz,5. Okt. 1574 (Hosii opera omnia II, 387 ff.). Maffei, Annali di Öregorio XIII,I, 136 7 berichtet, dass der Papst sich auch an Erzh. Ferdinand und anden Kaiser gewendet habe, und erklärt des Letzteren Ablehnung ausdynastischen Rücksichten. Am 26. Nov. schreibt der in Venedig lebendeZündelin an Camerarius, „illustris quidam vir" in Rom habe bei ihm an-gefragt, „au verum sit, Saxonem electorem pontifleium esse factum"(Bm. Coli. Camerar. XXI). Ueber die legendenhafte Ausschmückungder sächsischen Vorgänge vgl. eine Zeitung aus Italien vom 9. Jan. 1575,Mb. 110/61» f. 102.
2) Schon im J. 1573 wurde davon gesprochen (Correr an den Dogen,Wien 6. August 1573, Ven. Cop.; Vulcob an Karl IX, Wien 15. Aug.1573, Pb. V c Colbert 397). Am 25. Nov. 1574 teilt Dr. Weyer demKf. Friedrich unter andern Nachrichten aus Frankreich mit: „On anouvelles du succes du mariage du filz esne de l'empereur avec la filledu dict electeur, et qu'il ne peult faillir d'estre roi des Romains" (Mb.90/1 f. 162). Im April 1575 wurde die Sache als sicher aus den Nieder-landen nach England berichtet (La Mothe VI, 416). Vgl. dann nament-lich die Depeschen des venezianischen Gesandten Tron vom Kaiserhof,'19. 26. Nov. 1574, 4. 30. April 1575 (Ven. Copp.). Er bezeichnet alsFürsprecher des Projekts „aleuni signori thedeschi", während der Papst,Spanien, die Kaiserin dagegen tätig seien. Im letzten Sehr, berichteter dann, man sage, „che la duchessa di Sassonia si sia lassata inten-dere, che non e per consentir mai, che la figliuola sia per haver maritodi altra religione che della sua." Auch Languet erwähnt gelegentlichder Kaiserreise nach Dresden, aber als unwahrscheinlich, das Gerücht„de contrahenda inter ipsos affinitate" (J. Weber, DecadesIII epp. p. 12).In der Werbung Bentterichs bei den Züricher Theologen wird einfach be-hauptet, August stehe beim Kaiser „von wägen eines abgehandleten hyrats"hoch in Gunst (Züricher Rat an die Abgesandten der Stadt zu Baden,10. August 1575, Za). Noch im J. 1576 kommt Friedrich auf das Gerüchtzurück (Kl. n, 994).