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Man kann wohl sagen, dass Kurfürst Friedrich damals die SacheOraniens mehr als je zu der seinigen gemacht hatte. Die Befreiungder Niederlande vom spanischen Joch war für ihn mit dem Siegdes Evangeliums gleichbedeutend. Und der Wunsch, dem reinenBekenntniss des Evangeliums zum Sieg zu verhelfen, steigerte sichbei ihm mit den Jahren; er wollte, wie ein Zeitgenosse sagt, „dieganze Welt calvinisch machen". Erst jetzt erfuhr seine eigene Pfalzdie volle Umgestaltung zu jener „Zucht und Stille", wie sie denausserdeutschen Reformirten eigen war; im Gefolge dieser strafferenKirchendisziplin, die manchen Einheimischen schon eine „spanischeInquisition" dünkte, kam die von der strengen Reinheit unzertrenn-liche Härte, wurden die Wiedertäufer unterdrückt, der Arianer Sil-van enthauptet. Sehr bezeichnend für die zunehmende Schroffheitdes Kurfürsten ist sein Gespräch mit dem trefflichen Holländervan der Myle, worin er die Alleinherrschaft des reinen Glaubensüber eine gegenseitige Duldung setzte und selbst die groben Excesseeines Grafen von der Marck gegen die Katholischen zu entschuldigensuchte. 1 )
Man könnte die neue pfälzische Kirchenzucht wohl als ein Ge-gengeschenk der ausserdeutschen Reformirten für den HeidelbergerKatechismus und die zweite helvetische Confession bezeichnen. Aberdie fremden Theologen beschränkten sich so wenig auf das kirch-liche Gebiet wie ihre deutschen Amtsbrüder. Die Gestalt des geist-lichen Gesandten oder Agenten, des diplomatischen „ministre" wargerade unter den Calvinisten eine nur zu häufige Erscheinung. Einhervorragender Vertreter dieses theokratischen Wesens, der Fla-mänder Peter Dathenus, hatte bereits zu Ende der sechziger Jahreseinen folgenreichen Einfluss in Heidelberg fest begründet, kämpftefür die Kirchenzucht und spielte, wie die pfälzischen Herrenmeinten, den „Hofmeister" auch in weltlichen Dingen. 2 ) Wir fin-den ihn lebhaft beteiligt bei einem Ereigniss, dessen Bedeutung fürdas Erstarken der pfälzisch-niederländischen Beziehungen keineswegszu unterschätzen ist. Im Frühjahr 1569 nämlich vermählte sichder verwittwete Kurfürst mit der Gräfin Amalia von Brederode, diegleichfalls erst vor Kurzem ihren Gemahl, den wüsten Führer desersten Geusenbunds, verloren hatte. Amalia, eine berühmte Schön-heit und eifrige Calvinistin, hat freilich nie den politischen Ein-
1) Adrian van der Myle (vgl. Prinsterer I. 6, 16) an Zündelin (einenzu Venedig lebenden protestantischen Agenten), Speier 25. Febr. 1573(Epistolae selectiores p. 571 ff.).
2) Sudhoff, Olevianus und TJrsinus p. 325/6.