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auf sich warten und beschränkte sich dann auf eine kurze Be-grüssung seines Gastes. Tags darauf fand jene mehrstündige ver-trauliche Unterredung zwischen beiden statt, die Friedrich selbstaufgezeichnet hat. Der fromme Kurfürst erging sich rückhaltlos inernsten Vorwürfen über die Pariser „Mordtaten" und vergass nichtdie sonstigen Zustände des liederlichen und unzuverlässigen franzö-sischen Hofs scharf zu kritisiren. „Auf diese Gesetzpredigt", be-richtet Friedrich, „hab ich unterstanden wieder das Evangelium ihm.vorzuhalten"; er empfahl als Heilmittel aufrichtige Reue, Frei-lassung der Religion und andächtiges Gebet; dabei überreichte erdem Valois eine französische Bibel, worin dieser notgedrungenetwas blätterte, natürlich ohne auf die religiöse Wendung des Ge-sprächs weiter einzugehen. Auseinandersetzungen solcher Art,zwischen zwei Naturen, die gar keinen Berührungspunkt hatten,konnten zu nichts führen. Der König blieb fest dabei, die Frei-lassung der Religion sei in Frankreich unmöglich und die Hugenottenhalte man wohl hier, nicht aber in Frankreich für loyale Unter-tanen. Trotzdem liess ihm der Kurfürst bei der zweiten Zusammen-kunft, die Nachmittags stattfand, durch den Grafen Ludwig noch-mals „eine Collekte lesen", wie es scheint, in noch derberen Aus-drücken. d )
Diese Proben deutschen Freimuts mochten den König an dieMahnung eines kundigen Franzosen erinnern, in Deutschland Alleszu hören, nichts zu behalten und sich nicht zu ärgern. Auch dasvielbesprochene Porträt Coligny's, dessen Anblick dem Mörder nichterspart blieb, wird den Sohn der Medicäerin wohl innerlich belei-digt, aber kaum ernstlich erschüttert haben. 2 ) Am Nachmittag des
1) Vgl. Kl. II, 612 ff.; Fr. p. 360 ff. Nach einem Heidelberger Be-richt kamen der König und Friedrich am 12. Dez. zweimal zusammen(„utraque parte diei", Noailles III, 532). Am Vormittag fand das Ge-spräch ohne Zeugen statt (Prinsterer I. 4, 316), während die Rede desGrafen Ludwig über die Barth.-Nacht „durch bevelch des churfursten"und in dessen Gegenwart offenbar in der Nachmittagsconferenz gehaltenwurde (Noailles a. a. O. „Gründliche und warhaffte beschreibung, Wie
die reformirte religion in Franckreych.....biss auff gegenwürtige zeit
verfolget worden".....1573, p. 90 ff.). Vgl. ausser den bei Kl. gege-benen Belegen auch Thuanus LVII. 11 und die Darstellung bei Heiden-stein p. 49, die offenbar aus guten Quellen geschöpft ist. Wie der ganzeBesuch nachmals ausgeschmückt wurde, darüber vgl. z. B. Bouille, hist.des ducs de Guise II, 550 ff
2) In keinem der mir vorliegenden gleichzeitigen Sehr, und Berichtewird diese Scene erwähnt, die gleichwohl in allen späteren Geschichts-