88
beispiellosen Glück in der durch Jahre unverletzten Wahrung einessolchen Geheimnisses. Vollends bei dem jungen König spricht diegrössere "Wahrscheinlichkeit dafür, dass er erst unmittelbar vor derKatastrophe dem stürmischen Drängen seiner Mutter erlegen ist. 1 )Wie wenig übrigens die grässliche Tat ihren Zweck erfüllte undwie die französische Politik sich gleich darauf genötigt sah, die ab-gerissenen Fäden mühsam von Neuem zu knüpfen, das wird uns,soweit es Deutschland berührt, näher beschäftigen.
Das Ereigniss hatte seinen Schatten vorausgeworfen; auch diedeutseben Fürsten, besonders die Pfälzer waren von Paris herlängst gewarnt. Noch am 22. August schrieb Walsingham dem Kur-fürsten Friedrich, wenn die gemeinsame Sache nicht rascher vor-wärts gebracht werde, so seien die Evangelischen sammt und son-ders verloren. Vielleicht trugen solche schlimme Ahnungen zu demEntschluss des Kurfürsten bei, seinen Sohn Christoph nicht zur Ver-mählung Navarra's reisen zu lassen. Landgraf Wilhelm hatte vonAnfang an die allzugrosse Zuversicht der Hugenotten missbilligt;„Gott weiss", schrieb er nachher, „es hat uns allzeit vor der Hoch-zeit gegrauset." Dass aber, wie Johann Casimir meinte, auf diedeutschen Protestanten wegen ihrer Haltung in der Bündnissfrageeine schwere Verantwortung falle, lässt sich doch nicht behaupten. 2 )
1) Von jeher und in jüngster Zeit wieder besonders lebhaft hatsieh die Forschung mit dem grossen geschichtlichen Rätsel befasst,dessen Lösune auch heute noch nicht gefunden ist. Ich darf hier aufeine Frage, deren Erörterung nur im Rahmen einer Monographie wirklichfruchtbar werden könnte, nicht eingehen und will nur constatiren, dassmich die bedeutendste neuere Publication, Wuttke's historisch - kritischeStudie: Zur Vorgeschichte der Bartholomäusnacht (Leipzig 1879) nichtvon der Unhaltbarkeit der in letzter Zeit herrschenden den Vorbedachtablehnenden Ansicht überzeugt hat. W. betrachtete übrigens selbst seineArbeit nicht als völlig abgeschlossen , wollte vielmehr noch in Paris er-gänzende Nachforschungen anstellen (p. IV). Dass er auf das ZeugnissCapilupi's zu viel Gewicht legt, ist bereits mehrfach mit Recht hervor-gehoben worden.
2) Vgl. Kl. II, 468 A. 1; 467; 481; 498 ; Rommel V, 554 A. 63. —Trotz des oben geschilderten schleppenden Gangs der Bündnissverhand-lungen sagt Joh. Casimir später in einem Sehr, an Wilhelm von Hessenvom 19. Sept. 1585 (Marb. Or.), Schomberg habe im J. 1572 die Ver-ständniss mit der Krone Frankreich ,,bies zum beschluess sollicitirt undgetrieben, bies man die feder zur Verfertigung solcher vergleichung an-setzen wollen." Noch weiter ging Schomberg in seinen Behauptungen,als er 1580 von Neuem in Sachsen das französische Bündniss antrug;