Noch standen für den französischen Hof diese Verhandlungen erstin zweiter Linie; im Uebrigen hätte das Vorhandensein eines deut-schen Bündnisses die Hugenotten ebensowenig geschützt, wie diewirklich abgeschlossene Allianz mit England es vermocht hat.Wahrhaft verhängnissvoll dagegen wurde den französischen Refor-mirten die Zweideutigkeit der Königin Elisabeth, ihre ewigwechselnde Stimmung bald für bald gegen die Heirat und ihr un-würdiges Liebäugeln mit Spanien.
Das Gefühl der tiefsten Entrüstung, worin für den Augenblickdie gesammte protestantische Welt einig war, mischte sich mit derlebhaften Angst vor einem Weitergreifen des katholischen Fana-tismus. In Deutschland waren es begreiflicher Weise die Pfälzer,die sich als die nächstbedrohten Opfer dieser beginnenden „Exekutiondes Trientiner Concils" ansahen. Wirklich meldet gleich nach derBartholomäusnacht ein unverdächtiger Berichterstatter aus Rom,dort halte man in den höchsten Kreisen dafür, der Kaiser solleendlich das längst verdiente Strafgericht an dem Pfalzgrafen voll-ziehen, ihn selbst dem Schicksal Johann Friedrichs überliefern undseine Kur auf Baiern übertragen. l ) Andrerseits galt es selbst imkatholischen Deutschland für ziemlich sicher, dass Alba die „neuencalvinischen Schulen in Neuhausen und Heidelberg zu visitiren"beabsichtige. 2 ) So eifrig aber Kurfürst Friedrich die zahlreich ein-
in dem Entwurf eines Memoires vom Mai/Juni 1580 heisat ea ausdrück-lich : „le dict S r de Schomberg a besoing surtout d'une coppie colla-tionn^e du traicte qui feust signe de la propre main d'A. [Kf. August]devant la j ournee de St. Barth61emy"; er habe dem Kf. gegenüber er-klärt , der König habe das Original unter seinen geheimsten Papieren,glaube aber, ea werde sich unter den Papieren von Retz, Limoges oderMorvilliers finden. Natürlich fand sich nichts, da die Existenz einessolchen Vertrags einfach von Schomberg erfunden war (Pb V° Col-bert 400). Jenen Versuch, Pf. Christoph nach Paris zu ziehen, ver-wertet die bekannte hugenottische Schrift: le Reveille-matin des Francois,Edinb. 1574, I, 102 in ihrer Weise: „le roy taschoit d'attirer eD sa courle duc Chri8tofle et d'endormir le duc Jean - Casimir par des pensionsqu'il luy ofi'roit, pendant qu'il faisoit son apprest pour perdre tous ceuxde la religion."
1) Vgl. den Brief Cusano's an den Kaiser, Rom 6. Sept. 1572 (auadem Wiener Archiv mitgeteilt von Lord Acton, Northbritish ReviewLI, 58 A. 1).
2) Schomberg an K. Katharina, Rathenow 9. Okt. (Noaülea III, 294);Dr. Timoth. Jung an Albrecht von Baiern, Bonn 15. Okt. (Ma. 229/10f. 360); er fügt übrigena bei, der Kf. (von Köln) habe für den Fall, daaa