Als im August 1572 Schomberg eine neu formulirte Werbungdem Landgrafen und Johann Casimir zu Cassel vortrug, musste erbald zu der Erkenntniss kommen, dass seine Anträge für die deut-schen Fürsten „eine schwer verdauliche Speise" seien. Ganz abge-sehen nämlich von der bisher besprochenen Verbindung gegenSpanien lagen noch kühnere Projekte im Hintergrund. Es handeltesich um nichts Geringeres als um die polnische und die römischeKönigskrone, deren Erwerbung für das Haus Valois in den Combi-nationen französischer Politiker damals eine nicht unbedeutendeRolle spielte. Katharina von Medici hielt bekanntlich viel auf eineProphezeiung, sie werde alle ihre Söhne auf Königstronen sehen;ausserdem wurden die alten Verheissungen von einem gleichnamigenNachfolger Karl's des Grossen da und dort an die Person desjungen Königs geknüpft. Aber man begnügte sich keineswegs mitsolchen phantastischen Spielereien. Schon im Jahre 1569 hatte derGrossvezier einem französischen Gesandten den Vorschlag getan,Karl IX solle seine eigene Wahl zum römischen König durch-setzen, seinem Bruder Anjou zur polnischen Krone verhelfen undseine Schwester Margaretha dem Wojwoden von Siebenbürgen ver-mählen. ')
Das bevorstehende Ableben des letzten Jagellonen Sigmund August(f 7. Juli 1572) veranlasste allerdings die Franzosen wie die Öster-reicher sich rechtzeitig für den polnischen Wahlkampf zu rüsten.Aber auch das Ende des Kaisers Maximilian schien nicht mehrferne zu sein; anknüpfend an die vielbesprochene „Schwachheit"des Kaisers, empfahl Ehern in Dresden das französiche Bündniss,das die „freie Wahl eines christlichen Haupts" erleichtern werde. 2 )In diesem Fall, meinte ein französischer Staatsmann schon 1571,müsse die römische Krone den Valois vor die Füsse rollen.Wir sahen, wie sich Ludwig von Nassau auch dieses Hebels fürseine Zwecke bediente; er behauptete ohne Weiteres, die deutschenProtestanten wünschten nichts sehnlicher als Karl IX zum Reichs-oberhaupt zu machen; eine Entstellung der Tatsachen, die aber dochhier und da Eingang fand. 3 )
1) Vgl. Du Bourg's Memoire bei Charriere III, 73, A. 1.
2) Kl. II, 452; über Gerüchte von der tötlichen Erkrankung Maxim,und Baierns Absichten auf die Krone vgl. ein Sehr, des Gualterus anIJlmer, Zürich 1. Febr. 1572 (Bm. cod. lat. 11470a f. mb).
3) In dem Memoire des Bischofs von Dax, Aug. 1571, heisst 6s;„advenant la mort de l'empereur, qui est fort maladif, cette couronnene peut rouler qu'aux pied de l'un des deux" (Karl IX und Anjou).