83
nächst wohl darauf zurückzuführen, dass August die Pfälzer augen-blicklich nicht brauchte und seine grundsätzliche Abneigung gegenihre unionistische Politik niemals aufgegeben hatte.
Schomberg, der bei August die freundlichste Aufnahme gefun-den hatte, glaubte seine Sache schon gewonnen zu haben und setzteseine Bemühungen bei Brandenburg, Hessen, Braunschweig undschliesslich auch bei Pfalz eifrig fort. Im Februar 1572 erschienzu seiner Unterstützung ein zweiter königlicher Gesandter, der inHeidelberg, Dresden und Cassel die Loyalität der französischenRegierung und ihre Abneigung gegen die heilige Liga aufs Neuebekräftigen musste. *) Aber Schomberg's triumphirende Berichtesollten sich bald als verfrüht erweisen. Die offiziellen AntwortenSachsens und der übrigen Pursten beschränkten die gewünschteCorrespondenz" auf ein so bescheidenes Maass, dass sie fast ganzwertlos erschien. Sachsen erklärte anfangs, im Fall eines Angriffs aufden französischen Religionsfrieden wolle er dem König Truppenwerbunggestatten, den Gegnern aber nicht; auch der spätere Vorschlag desKurfürsten, der König und die Fürsten sollten gegenseitig eineGeldsumme für den Notfall hinterlegen, war doch eine recht kläg-liche Auskunft. Als dann die Taufe des hessischen Prinzen Moritzden Kurfürsten August und Johann Casimir nach Cassel führte, botder Letztere sein „jugendliches Feuer" auf, um den Schwiegervaterund den Landgrafen zu einem kräftigeren Vorgehen zu bestimmen;man sprach wirklich davon, dem König im Fall eines spanischenAngriffs 3000 Pferde bis an die Grenze .zu schicken und die Kostenzu tragen. Aber Kursachsen kam gleich darauf zu seiner früherenAnsicht zurück; von einer eventuellen Gegenleistung des Königs in
1) lieber Schombergs Reisen vgl. Prinsterer I. 4, 2/3*; Kl. II, 448A. 1; der zweite Gesandte, den Friedrich in seinem Sehr, an Hessenvom 14. Febr. 1572 (Kl. II, 446) Faye nennt, hiess nach einer Notizder Biogr. universelle (XXVI , 525, Artikel Jean-Casimir) Hector Mani-quet s r de Fayet. Für die ebenda -wiederholte Angabe de Thou's(LI. 13), Schomberg habe Johann Casimir das Commando der deutschenTruppen angetragen und der König gleichzeitig den jungen Pf. Christophmit einer Pension bedacht, finde ich sonst keinen Anhaltspunkt, abge-sehen von der Behauptung Davila's (historia delle guerre civili, Lyon1641, p. 265): „giä s'erano condotti a' stipendii del re il preneipe Casi-miro e Gulielmo (!) suo fratello ambedue figliuoli delP elettor Palatinodel Reno." Im Mai erschien noch ein dritter französischer Agent, Argen-lieu, in Heidelberg, um sich über den Stand der Verhandlungen zu in-formiren (Kl. II, 457/8).
6*