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Uebrigens musste August selbst bemerken und wurde ausserdemvom Landgrafen wiederholt darauf verwiesen, dass Baiern offenbaram Liebsten Kursachseu allein oder mit wenigen Evangelischen inden überwiegend katholischen Bund gebracht und so von den an-dern Protestanten ganz abgesondert hätte. Dazu war der Kurfürstviel zu vorsichtig; er stellte von Anfang an die Bedingung, dassKurpfalz, Brandenburg und Hessen jedenfalls miteintreten müssten.Ueber den Verdacht, dass man Alba beiziehen wolle, suchte ihnHerzog Albrecht persönlich bei einer Zusammenkunft in Prag zuberuhigen; der Kaiser fügte die Erklärung bei, dass er selbst Albadurchaus abgewiesen habe und dagegen den Beitritt einer Anzahlvon Evangelischen dringend wünsche. Beide Parteien nahmen esmit der Wahrheit nicht ganz genau; Herzog Albrecht behauptete,Alba habe sich ohne sein Zutun um die Aufnahme bemüht; Auguststellte für den Fall, dass er nicht förmlich beitreten würde, docheinen Schutzvertrag zwischen Kursachsen und dem LandsbergerBund in Aussicht. J )
In Heidelberg erregte jene sächsische Werbung anfänglich diegrösste Bestürzung. Der Abgesandte Berlepsch verschlimmerte denEindruck, indem er sich drohende Aeusserungen über den „Prakti-kanten Dr. Ehern" erlaubte. Schon glaubte man sich der früherenIsolirung verfallen und einer Wiederholung der Vorgänge von 1566ausgesetzt; der Grosshofmeister meinte im Rat, die Sache sei sogarschwerer als der berüchtigte 14. Mai. Kurfürst Friedrich selbstsprach wehmütig davon, wie er sich keines Menschen zu tröstenhabe; Pfalzgraf Wolfgang sei der Einzige gewesen, der sich kurzvor seinem Ende ihm näher angeschlossen habe. Wenn er aberversicherte, er wolle sich an dem Bündniss mit seinem Gott ge-nügen lassen, und sich auf den Beligionsfrieden berief, neben demman kein weiteres Bündniss bedürfe, so vergass er völlig den
hierauf: „Die pfaffen besorgen, man nem ire herlichkeit und bauchspeiaSachsen und Hessen haben gleichwol gut darzu reden. Sie haben ire ge-fressen und schon verdauet." — Die Protokolle der pfälzischen Berat-ungen über die drei sächsischen Werbungen vom 30. Nov. 1569, 23. Märzund 21. April 1570 Ma. 544/9 und 544/10.
1) Die Instruktion Baierns für den an August abgefertigten Dr. Hal-ver vom 20. Juni 1570 (Ma. 401/2) nimmt hierauf Bezug. August ant-wortete dilatorisch. Bei der Erneuerung seiner Versuche im Jahr 1577gedachte Herzog Albrecht mit Bitterkeit der Prager Zusammenkunft,„do ich gedacht, es were alles richtig, do war es alles nicht" (Albrechtan Kf. August, 17. Febr. 1577, Ma. 401/10).