51
Pfalzgrafen Wolfgang den Zug widerraten. Aber die Verbindungder Hugenotten mit Wolfgang war zu Heidelberg unter den Augendes Kurfürsten eingeleitet worden; Friedrich unterstützte den Vettermit einem Darlehen und Johann Casimir scheint sich bald mit demGedanken eines Nachzugs befreundet zu haben. Einstweilen hofftendie Heidelberger durch Wolfgangs Vermittlung ihre früheren Aus-lagen von Conde und Oranien zurückzuerhalten 1 )
Unter den ungünstigsten Verhältnissen hat Pfalzgraf Wolfgangseinen kriegerischen Entschluss mit einer Energie festgehalten unddurchgeführt, die von dem sehr unerfreulichen Wesen seiner bis-herigen Politik wohltätig absticht. Der frühere Pensionär Spaniens,der fanatische Lutheraner erscheint wie umgewandelt. Die Ab-mahnungen des Kaisers und verschiedener Reichsfürsten vermochtenso wenig wie das Missvergnügen seiner eigenen Gemahlin undseiner Räte; selbst die schändlichen Irrlehren der französischenCalvinisten, die ihm sein Prediger, der berüchtigte Heshusius, stra-fend vorhielt, taten keine Wirkung. Die finanzielle Grundlage desUnternehmens war eine äusserst schwache; die englischen Subsidien,auf die der Pfalzgraf sicher rechnete und von denen man allgemeinsprach, blieben aus, ebenso die Gelder, deren Beischaffung einpolitischer Abenteurer, Dr. Weyer, übernommen hatte. Trotzdemgelang es, mit dem vorhandenen Bargeld, den hugenottischen Ver-schreibungen und der Hoffnung auf englische Hülfe die Truppen inMarsch zu bringen. z )
1) Vgl. Kl. II, 276; 285; Wolfgang verpfändete seinen Anteil anParkstein und Weiden für 100000 Taler an Friedrich (ebd. p. 1058,nach den Urkk. im kurhessischen Archiv); auf eine A eusserung Fried-richs bei Schlichtegroll p. 82 dürfte dieser Tatsache gegenüber nicht vielGewicht zu legen sein, vgl. die Klage eines zweibrückischen Gesandtenebd. p. 81. TJeber W. „enge und geheime Rät und Anschlag" mit Fried-rich schreibt "Viehauser an Baiern, Speier 25. Nov. 1568 (Ma. 230/3 f. 55).
2) Der Cardinal von Chätillon sagt in seiner Erklärung vom 28. Sep-tember 1569 über Wolfgang: „laquelle (armee) Sans avoir re^euaueuns deniers pour la solde d'icelle il a conduicte depuisl'Allemaigne jusqu'ä pres de l'autre estremite du royaume de France"(Schlichtegroll p. 105). Derselbe entschuldigt in einem Sehr, an Friedrichvon 10. Juni 1569 das Ausbleiben der englischen Subsidien, die ihm ver-sprochen, aber nicht rechtzeitig ausgehändigt worden seien; erst vor einerWoche habe er, was er bekommen konnte, einstweilen nach Rochellegeschickt (Kl. II, 334 ff. V gl. La Mothe I, 416/7). Demnach erscheint dieAngabe La Mothe's in seinem Sehr, vom 6. Febr. 1569 (La Mothe I,178; vgl. 387; 409) mindestens verfrüht. Auch die ausweichende Art,
4*