45
zu geraten; „denn was Pfalz tut, ist übel getan." 1 ) An ihrerStatt übernahm jetzt Wilhelm von Hessen, der älteste Sohn Philippsdes Grossmütigen die Anregung zu einem evangelischen Bund inner-halb des Reichs. Der Landgraf, der im lutherischen Deutschlandnatürlich mehr Vertrauen genoss als der calvinistische Kurfürst,stand in der Auffassung religiöser Fragen über tier Mehrzahl seinerconfessionell befangenen Zeitgenossen- Aber wie er hier trotzseines freieren Standpunkts eine bedenkliche Isolirung zu vermeidensuchte, 2 ) so hatte er sich trotz seiner kriegerischen Jugendjahre inpolitischen Dingen eine Vorsicht angeeignet, die manchmal nichtnur ängstlich, sondern geradezu zweideutig war. Mit" dem fran-zösischen Hof, von dem er eine stattliche Pension bezog, 3 ) unter-hielt er das beste Einvernehmen; er fertigte vor dem Zug JohannCasimirs eigene Gesandten ab, um jeden Verdacht einer Beteiligungvon seiner Seite zu zerstreuen. Damals riet er auch dem Kur-prinzen Ludwig, das gefährliche Treiben seines Vaters und Bruders
1) Protokoll vom 14. Juli 1568 (Kl. II, 234; vgl 237).
2) Vgl. z. B. seine Weigerung, sich für mildere Behandlung derverhafteten sächsischen Kryptocalvinisten zu verwenden, Heppe, Gesch.des deutschen Protestantismus II, 444/5. Nach dem Tod Kf. Frie-drichs lässt er ein Memorial an dessen lutherischen Nachfolger mitRückaicht auf Kursachsen sehr vorsichtig abfassen; er befiehlt seinerKanzlei, ,,das ir den stylum in allweg zu benehmung solcher gedanken,die man von uns des Zwinglianismi halben schöpfen möchte, dirigirt"(Wilhelm an den Kanzler Dr. Scheffer, 9. Nov. 1576, Marb.). DieserVerdacht ist ihm allerdings trotz seiner Vorsicht nicht erspart geblieben.
3) Was sehr mit Unrecht in Abrede gestellt worden ist (vgl. Sugen-heim, Frankreichs Einfluss auf und Beziehungen zu Deutschland I, 288)Das bereits angeführte Verzeichniss deutscher Pensionäre in Paris (Pb.500 de Colbert 397) führt auf: „le s r langrave Guillaume de Hessen"mit 10000 livres, ausserdem „le jeune langrave" mit 2000 livres (wohlein Bastard Philipps des Grossmütigen?). Am 18. Febr. 1568 schreibtWilhelm an Karl IX. , er habe dessen Brief empfangen, ,,ensemble laliböralite des dix mil livres, de laquelle il luy [V. M.] piaist user enmon endroit" (Pb. fonds francais 15918 Nr. 105) Einige Jahre spätersagt der französische Agent Scbomberg von Wilhelm: „il a la fleur delys engrave dans le cueur" (Prinsterer I. 4, 54 *). Nach einer Mitteilungdes Grafen Lynar im J. 1575 hätte Wilhelm damals die Pension nichtmehr bezogen (Kl. II, 851), während ein Sehr, des Pfalzgrafen GeorgHans an Beutterich vom 27. Juni 1585 (Mb. 90/12 f. 275) im Gegenteilversichert; „er ist auf dise heutige stund nocli der cron Frankreich pen-sionarius."