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Hessen dem Calvinismus seines Vaters innerlich fremd gebliebenwar. Johann Casimir selbst stellte über seine Auffassung derAbendmahlslehre einen Revers aus, der mit seiner absichtlichenZweideutigkeit zur äusserlichen Beruhigung beider Parteien diente;insgeheim rechnete man freilich in Dresden wie in Heidelberg darauf,nach diesem halben Entgegenkommen die confessionellen Widersachernoch vollends zu sich herüberzuziehen, eineHoffnung, die nachmalsauf das Bitterste getäuscht worden ist.
Die Verlobung erfolgte am_26._ November _1568j__wegen dergrossen Jugend der Braut ward die Hochzeit noch verschoben.Kurfürst Friedrich selbst äusserte vertraulich sein Erstaunen, dassAugust seiue Tochter wirklich einem „zwinglischen" Fürsten zurEhe gebe. 1 ) Zunächst waren es die Freunde Oraniens und derNiederländer, die mit freudiger Hoffnung auf diese engere Ver-einigung der deutschen Protestanten sahen; einer von ihnen meint,das werde „etlichen Leuten, die dem Pfalzgrafen Kurfürsten gernan das Leder gewesen, nicht wenig in die Knie schrecken." 2 ) Jeden-falls war die Uebereiustimmung dieses Schrittes mit dem antispani-schen Auftreten Kursachsens in Wien unverkennbar. Und dassauch das alte vertrauliche Verhältniss zwischen August und demKaiser eine Störung erlitten hatte, lag ebenfalls am Tage. 3 ) Nachdem Sturz der Kryptocalvinisteh; beschuldigte der Kurfürst seinenersten Ratgeber Cracov, er habe gelegentlich dieser Heirat nicht nurfür den Calvinismus der Heidelberger, sondern auch für ihre Pläne
1) Job. Jezlerus an Ulmer, Heidelberg 10. Dez. 1568 (Bm. cod.lat. 11470 a f. 102): „narravit hoc consiliario cuidam ipse elector, summacum voluptate, haec verba subiungens: Quis unquam fore putasset, utAugustus prineipi Zuingliano suam in tixorem daret filiam?' 1 — AllesNähere bei Kluckhohn, die Ehe des Pf. Johann Casimir mit Elisabethvon Sachsen (Abhandlungen der bair. Ak. der W. III. Classe Xu. 2,83 ff.) ; über den unglücklichen Ausgang dieser Ehe vgl. meinen Nach-*trag: die letzten Jahre der Pf. Elisabeth, Gemahlin Johann Casimirs(ebd. XIV. 3, 1 ff.).
2) Prinsterer, I. 3, 300.
3) Dr. Jung an Baiern , Wien 5. März 1569: „Das ist aber gewiss,das der churf. von Sachsen kaine solliche correspondeDZ mit irer mt.holt, wi er zuvorn getan" (Ma. 229/10 f. 231 ff.). Aehnlich berichtetder venezianische Gesandte am 20. Jan. 1569, in Deutschland sehe esunruhig aus, „dispiacendo secondo intendo ogni di maggiormente all'imperatore questa nova affinitä et collegantia de Sasäonia et del Palatino;"man fürchte die Beiziehung von Dänemark und Schweden zum Bund derdeutschen Fürsten (Ven. Cop.).