Druckschrift 
1 (1882) 1576 - 1582
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

sein Geschäft von vorn anfangen möchte. Dabei entwickelte erebensoviel Erfindungsgabe als Gewissenlosigkeit; keine Partei bliebvon seinen Anträgen verschont und es verschlug ihm wenig, obman ihn als Feldherrn zu Land oder zur See, als Diplomaten oderals Spion oder als mechanischen und wirtschaftlichen Tausend-künstler verwerten wollte. Da er nun mit seinen wunderlichen Ein-fällen und seiner originellen Grobheit zwar ein gewisses Narren-recht genoss, aber geringe materielle Erfolge erzielte, fühlte er sichZeit seines Lebens als verkanntes Genie. Während er über derUmgestaltung von Deutschland und von ganz Europa brütete, rück-ten diegoldenen Berge", die ihm bald hier bald dort zu winkenschienen, niemals näher. Mit grosser Naivetät gesteht er einmaldem Kaiser Rudolf II, die hauptsächliche Triebfeder sei bei ihmdie Sorge für seine zahlreiche Familie.Um mich wärs ein Schlechtes,aber so viel liebe Kinder vor Augen sehen bewegt ein Vaterherz!" 1 )Nachdem der unruhige Fürst vergebens gehofft hatte, durchseine Verbindung mit einer Tochter Gustav Wasa's und vermittelstder schwedisch-dänischen Händel emporzukommen, 2 ) wandte er sichder französischen Regierung zu, von der er seit 1564 Pension be-zog. Für den Hugenottenkrieg hatte er sich bereits mit einem statt-lichen Kriegsvolk gefasst gemacht, aber der Hof zog es vor JohannWilhelms Dienste in erster Linie zu gebrauchen. Der gekränktePfalzgraf suchte in Paris durch die Drohung, anderweitige Ver-bindungen einzugehen, wenigstens seine Pension herauszuschlagen;Frankreich, Hess er sagen, werde sich doch einen so mächtigenFürsten wie ihn nicht zum Feind machen wollen! 3 ) Seine Truppenaber sollten um jeden Preis an den Mann gebracht werden und erbot sie, um sicher zu gehen, gleichzeitig vier Parteien an. Bei derKönigin von England, wo er wie auch beim Prinzen von Oranien

1) Am Eingehendsten ist der sonderbare Fürst behandelt in Moser'sPatriot. Archiv XII, 3172:Fragmente von dem Leben. Schicksaalen,Abentheuren und Ende Herzog Georg Hansens, Pf. zu Veldenz." Vielenoch nicht verwertete Materialien für seine Geschichte im StuttgarterArchiv; eine vereinzelte Mitteilung aus Mc. bei Schlichtegroll, HerzogWolfgang p. 142/3.

2) Vgl. namentlich Papiers de Granvelle IX passim; Archiv fürsächs. Gesch. V, 36; 38; 46; Ortloff n, 358 A. 3.

3) Werbung bei K. Katharina von Medici im Namen des PfalzgrafenGeorg Hans, 6. Febr. 1568 (Pb. fonds francais 15918); er sagt u. a.,qu'il s' avoit mis en la penssion d'amitiö depuis quatre ans avec le roy,non pas pour l'argent, mais pour une alliance et secours."