30
Kaiser, um einer fremden Occupation der Pfalz zuvorzukommen,sich veranlasst sehen, gegen den Kurfürsten „etwas Aenderungvorzunehmen", d. h. die pfälzische Kur in andere Hände zu bringen.Der Pfälzerfeind Zasius schrieb damals von den Heidelbergern:„Hoffe zu Gott, sie sollen den Teufel im Glas sehen, ehe denn sieden Christbraten essen." *) Dieser Wunsch wurde allerdings nichterfüllt; auch gingen die Verhandlungen des Kurfürstentags zu Fulda(Januar, Februar 1568) für Pfalz ohne Nachteil vorüber. Der Kaiserschickte sich sogar an, in seinem und des Reichs Namen für dieBeilegung der französischen Unruhen einzutreten, und liess durchseine Commissarien den Kurfürsten mitteilen, der Papst stehe tat-sächlich im Werk ein Bündniss gegen etwaige Angriffe der „Ultra-montanen" abzuschliessen, ein Unternehmen, das dem Kaiser ,,zumhöchsten entgegen und zuwider" sei. August von Sachsen bemühtesich ganz besonders einerseits bei Maximilian die Sache Friedrichsund Johann Casimirs zu führen, andererseits den Kurfürsten zuberuhigen, er habe kaiserlicher Ungnade halber nichts zu besorgen;übrigens wollte er selbst, freilich nur im äussersten Notfall, sichzu einem Anlehen an Pfalz verstehen. Denn die Möglichkeit, dassnicht der Kaiser, sondern „andere" etwas gegen Friedrich imSchilde führten, gab er doch zu. 2 )
In Wahrheit lag die Sache so, dass der Kaiser die Ausführungseiner feindseligen Absichten „anderen" anzuvertrauen dachte. Seinauserwähltes Werkzeug war diesmal ein Seitenverwandter der Kur-linie, der Pfalzgraf Georg Hans von Veldenz, ein fürstlicher „Prak-tikant ' ersten Eangs, dessen Gestalt in allen deutschen und ausser-deutschen Händeln prahlend, drohend und vor Allem bettelnd zumVorschein kommt. Mit vollem Recht nennt ihn ein hugenottischerZeitgenosse einen Bankerottirer, der mit dem Geld anderer Leute
1) Vgl. Maximilian an Albrecht von Baiern, 8. Dez. 1567, beiFreyberg, Sammlung hiator. Schriften und Urkk. IV,' 177/8 ; Kl. II, 132A. 1: 153; Zasius an Albrecht von Baiern, 15. Dez. 1567 (Ma. 228/12).Im Jan. 1568 hiess es am französ. Hof, Pfalz sei bereits in die Achtgetan worden (Mem. de Oonde I, 191).
2) Wenn Kl. Fr. p. 326 sagt, August habe auf Friedrichs Bitteum Geld und Truppen eine verbindlich ablehnende Antwort gegeben, soist dies nicht ganz genau. Denn Kf. August erklärte sich gegen denpfälzischen Gesandten allerdings zu einem Anlehen für den Notfall bereit,wenn auch nicht bis zu dem von Pfalz nachgesuchten Betrag; Friedrichdankt am 26. März ausdrücklich wegen „des uff den notfall bewilligtenfürleihens" (Kl. II, 206; 208/9).'