20
entschuldigend auf fremde Einwirkungen zurückgeführt wurden, 1 )so war diese ganz veränderte Sprache nichts weniger als aufrichtig.Denn Maximilians Gesinnung gegen Friedrich war, wie sich kurzdarauf wieder zeigte, die nämliche geblieben und sie erhielt jetztneue Nahrung durch die Verbreitung antikaiserlicher Pamphletein Heidelberg, sowie durch Friedrichs Stellung zu den niederländi-schen und französischen Unruhen.
Denn bei all diesem gegenseitigen Misstrauen der deutschenEeligionsparteien bilden stets die auswärtigen Verhältnisse denbedeutsamen Hintergrund. Hatte schon die Zusammenkunft desfranzösischen Hofs mit dem spanischen zu Bayonne (Juni 1565)viel Gerede verursacht, so musste das gewaltsame Vorgehen Spaniensgegen die Niederländer im ganzen Reich die Gemüter tief aufregen.Nur die äusserste politische Kurzsichtigkeit konnte sich der Er-kenntniss verschliessen, dass ein entscheidende* Sieg der ausländi-schen Katholiken oder Evangelischen den deutschen Religionsfriedenmitberühren und ihn, unfertig wie er war, entweder ganz vernichtenoder mindestens einseitig umgestalten musste. Bei solcher Stimmungfanden abenteuerliche Gerüchte und tendenziöse Erfindungen, wiejene „Zeitungen" von grossen Ausrottungsbündnissen der Päpstlichenoder der Protestanten, nur zu leicht Verbreitung und Glauben.Selbst ein so vorsichtiger Politiker wie August von Sachsen konntesich der Vermutung einer förmlichen papistischen Verschwörungauf die Dauer nicht ganz entziehen. Diese Erdichtungen enthieltenauch insofern einen wahren Kern, als sie die vielfach vorhandeneNeigung zu politisch-religiösen Allianzen, die Beschäftigung mitmehr oder weniger möglichen Combinationen wiederspiegelten. Dabeierscheinen an der Spitze der deutschen Parteien nicht, wie manerwarten sollte, der Kaiser und Kursachsen, sondern die beidenwittelsbachischen Häupter, Baiern und Kurpfalz. Fast in allen denDarstellungen, die von der bevorstehenden Exekution des TrientinerConcils handeln, wird als das erste deutsche Opfer der päpstlichenReaktion Kurfürst Friedrich bezeichnet. Dass man aber beimpfälzischen Calvinismus nicht stehen bleiben würde-, davon suchtenwieder die Pfälzer ihre lutherischen Mitstände zu überzeugen. Hattedoch der Kaiser selbst zu Augsburg die Aeusserung fallen lassen,
1) Kl. II, 28/9. Der Verfasser der in Heidelberg nachgedruckten„Nachtigall", der ebd. 26 A. 1. als unbekannt bezeichnet wird, war dervormalige Heidelberger Prediger Kiebitz, vgl. Koch, Quellen II , 7 ff.165/6; Ortloff IV, 326.