19
licher Gesandter in Amberg öffentlich zu drohen, der Kurfürst sollesich an seinem Tochtermann Johann Friedrich ein warnendes Bei-spiel nehmen. Christoph von Würtemberg teilte vertraulich mit,der Kaiser sei gegen Pfalz sehr ungnädig gesinnt; auf dem Regens-burger Reichstag Hessen sich im Fürstenrat Stimmen vernehmen,es sei nach der Gothaischen noch eine andere Exekution vorhanden. 1 )Die kurpfälziseben Räte befolgten hier und da die Taktik, ihreBesorgnisse hinter einem zuversichtlichen Auftreten zu verbergen;so hatten sie in Erfurt geäussert dass, wenn auch ihr Bekenntnissverdammt würde, „ihrem Herrn damit nicht sehr warm gemacht."Aber die Rüstungen, die im Frühjahr 1567 Pfalzgraf Wolfgangbetrieb, Hessen die Gefahr doch gar zu nahe und drohend erscheinen.Die Behauptung, der Pfalzgraf wolle als spanischer Pensionär gegendie Niederländer ziehen, fand nirgends rechten Glauben; Friedrichhielt es für geraten, seinerseits Kriegsleute in Bestallung zu nehmen,den Kurfürsten August zu verständigen und den Kaiser durch eineGesandtschaft von den ihm fortwährend zukommenden Bedrohungenzu unterrichten. Er bekam wirklich aus Wien die beruhigendstenund freundlichsten Versicherungen und Wolfgangs kriegerische Halt-ung erregte auch bei den Katholischen, namentlich in Baiern solchenAnstoss, dass der Kaiser hier gleichfalls beschwichtigen und zurück-halten musste ; Herzog Albrecht hatte einmal bereits die bairischeRitterschaft aufgemahnt. 2 ) Wenn aber die pfälzischen Gesandtenam kaiserlichen Hofe selbst bei Leuten wie Zasius die beste Auf-nahme fanden und sogar die Vorgänge des Augsburger Reichstags
1) Vgl. die Schreiben der kais. Räte Dr. Jung (Neumarkt 25. Dez.
1566, Ma 229/9 f. 199 ff.) und Dr. Hegenmüller (Münsterhausen 22. Febr.
1567, Ma. 229/11 f. 84) an Albrecht r von Baiern; Kl. II, 12; 38 ff. Der Verf.der fürGrumbach und Johann Friedrich günstigen „Grabschrift" beruft sichauf ein Sehr, des Pf. Wolfgang, worin derselbe nach der Einnahme vonGotha (dem Kf. von Sachsen?) geraten habe, die Truppen beisammenzu behalten und sofort gegen die „Ketzer" zu wenden; „dazu wolt ersein Beistand thun'i (Deutsches Museum, Leipz. 1779, II, 466).
2) Kl. II, 23 ff.; Fr. p. 470: ausserdem Sehr, der bairischen AgentenHegenmüller (2. Februar 1567, Ma. 229/11 f. 75), Viehauser (9. AprilMa. 230/3 f. 34, er sagt u. a. „a partibus D. Palatini wierdet allerlaifüergeben von grosser hülf, solte sich König Philipp zue weit hinauslassen"), Zasius (8. Juni u. 28. Nov., Ma. 228/12); ferner Sehr, einesJean Philot an Kf. Friedrich, 16. Mai 1567 (Mb. 90/12 f. 36). Spanienhatte die Dienste des Pf. Wolfgang schon im März 1567 abgelehnt,Reiffenberg. Corresp. de Marguerite p. 223.
2*