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Der Gedanke einer Gemeinsamkeit der protestantischen Inter-essen, für Friedrich keineswegs neu, gewann doch erst durch dasBewusstsein der eigenen Gefahr wirkliches Leben. Vor dem unab-weisbaren Gebot der Notwehr verschwand auch bei Friedrich jeneStimmung, die ihm einst den Kuhm des Martyriums begehrenswerterscheinen Hess; eine politisch-kriegerische Richtung des Calvinis-mus bekam in Heidelberg die Oberhand, deren Hauptvertreter dengrossen internationalen Kampf des Protestantismus gegen Rom zurvornehmsten Aufgabe der pfälzischen Politik erheben wollten.
Seit dem Jahre 1566 gewinnen unverkennbar die kurfürst-lichen Räte Ehem und Zuleger 1 ) den entscheidenden Einfiuss,beides strenge Calvinisten, noch jung an Jahren und von leiden-schaftlichem Charakter. Als die bedeutendere Persönlichkeit er-scheint der Augsburger Dr. Christoph Ehem (geb. 1528), der miteiner vielseitigen wissenschaftlichen Bildung wirklich staatsmänni-schen Blick verband. Dass der Protestantismus ohne Unterschiedder Bekenntnisse aufs Aeusserste bedroht und nur durch ein Bünd-niss zu geineinsamer Verteidigung zu retten sei, stand ihm fest.Seine weit verzweigten Beziehungen au deutschen und ausländischenHöfen dienten alle diesem einen Gedanken; selbst in Polen, amKaiserhof, in Rom hatte er seine vertrauten Berichterstatter, dieihn fortwährend von den wirklichen oder vermeintlichen Symp-tomen der katholischen Reaktionsbewegung in Kenntniss setzten.Theologische und politische Koryphäen wie Beza, Bullinger,Oranien correspondirten mit ihm; seine freundschaftlichen Bezieh-ungen zum Landgrafen Wilhelm von Hessen und zum Grafen Johannvon Nassau erhielten sich selbst in den bedenklichen Schwankungender späteren casimirischen Politik. Sein treues Festhalten an einemgrossen Ziel macht ihn zum würdigen Zeitgenossen eines Walsing-ham, so bescheiden auch das "Wirken des kurpfälzischen Kanzlers
1) Vgl. über Ehem Allg. deutsche Biographie V, 693/4; Briefe vonihm gedr. Kl. II; Groen van Prinsterer, Archives de la maison d'Orange-Nassau I. 4 und 5; Koch, Quellen zur Gesch. des K. Maxim. II., II,133/4; eine Beihe ungedr. Briefe in der Breslauer Stadtbibliothek.
lieber Zuleger: Jöchers Gelehrtenlexikon; Kluckhohn, Abhandl. derbair. Akad. der "Wiss. III. Cl. XI. 2 (1870) p. 183 A. 1; Briefe von ihmgedr. Kl. II ; Prinsterer a. a. O. I. 4 und 5 und Supplement; Chmel, dieHandschriften der Hofbibl. in Wien I, 87. Eine wenig bekannte Erwäh-nung Zulegers bei James Melville, Memoirs (Glasgow 1833) p. 93 ff.