im Jahr 1562 den Hugenotten Geld vorstreckte, war damals dasAeusserste, wozu er sieh verstand. Im Uebrigen vertrat er nochdie Anschauung, die Evangelischen sollten ihre Zuversicht nur aufGott, nicht auf irdische Gewalt setzen. Vor Allem wünschte er umjeden Preis Deutschlands innern und äussern Frieden gewahrt zusehen; ängstlich wies er den Vorschlag eines grossen protestantischenBundes zurück, den England, im vollen Vertrauen auf sein Ent-gegenkommen, bei ihm zuerst anbrachte (1562). Unmittelbar daraufwar er eifrig bemüht den Plan seines Vetters Wolfgang zu durch-kreuzen, der zu Gunsten der Hugenotten, hauptsächlich aber zurRückeroberung der Stifter Metz, Toul und Verdun nach Frankreichziehen wollte. Diese Abneigung gegen Alles, was zu einer gefähr-lichen Unruhe im Reich führen konnte, zeigte sich auch im Verlaufder Grumbachischen Händel. Friedrich war von Anfang an über-zeugt, dass die Verbindung seines sächsischen Schwiegersohns JohannFriedrich mit dem ritterlichen Abenteurer zum Unheil ausschlagenmüsse; er warnte, bat, vermittelte in der loyalsten Weise, freilichohne Erfolg. Der Gedanke vollends, sich in den schwedisch-dänischenKrieg oder in die ehrgeizigen Unternehmungen der Lothringer ein-zumischen, 1 ) vermochte in dem friedliebenden, sparsamen, in Theo-logie versunkenen Fürsten gewiss gar nicht aufzukommen.
Wohl stand er persönlich den Valois und besonders den Lo-thringern nahe, überhaupt dem französischen Wesen näher, alsvielleicht irgend ein anderer Reichsfürst. Seine Jugenderinnerungenknüpften sich an die Höfe von Nancy, Paris, 2 ) Lüttich, Brüssel; ersprach und schrieb fertig französisch und Hess zwei seiner Söhnein Frankreich studiren, einen dritten — Johann Casimir — fastganz dort erziehen; der jüngste verbrachte wenigstens einen Teilseiner Studienzeit in Genf. 3 ) Dieser Einfluss der französischenSprache und Sitte wurde geradezu ein unterscheidendes Merkmal desHeidelberger Hofes und war auch politisch keineswegs bedeutungslos.Trotzdem bewies Friedrich in seinen ersten Regierungsjahren gegen-
1) Vgl. Kl. I, 124; 256.
2) Kl. Fr. p. 468; weitere Belegstellen bei Roding, Oratio ad ill.princ. Joanneni Casimirum (Heid. 15763 P- 6j Brantöme, oeuvres (ed.Merimöe u. Lacour) I, 365.
3) Hermann Ludwig studirte in Bourges (wo er 1556 starb, Kl. Fr.p. 18), Ludwig in Dole (nicht in Toul, wie Kl. I. p. LI jangibt, vgl.Tim. Kirchner, oratio de vita et morte ill. princ. Ludovici com. Pal.Heid. 1584 f. B b ), Christoph in Basel, Heidelberg und Genf (Kl. Ip. LH; 598; II, 47.)
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