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2 (1791)
Seite
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476Predigt u. s. f. vorzulesen pflegen. Und ge-schieht dieses alsdenn mit Verstand und Em-pfindung; so kann auch dies sogar ein Mittelwerden, ächtes moralisches Gefühl zu wecken,und practisches Christenthum zu befördern.Ich weiß wohl, was man in unsern Zeitengegen die Uebung der Kinder in einer schö-nen und richtigen Deckamation erinnert hat.Man glaubte, es würden dadurch Leidenschaften aufgeregt. Und freilich ist das auch in sofern wahr, als zur Declamation schon einigeKenntniß von der Verschiedenheit der Leiden-ſchaften, und die Kunſt, ſich in die Lage desSchriftstellers zu versetzen, erfordert wird.Kleine Kinder kann man daher auch unmöglichim Daclamiren üben. Allein es scheint mirdenn doch, man sey darin etwas zu ängstlichgewesen. Die Kinder bringen gewiß ihre Lei-denschaften meist schon zum Lesen mit, unddadurch also, daß man sie zuweilen schöne undrührende Stellen declamiren läßt, wird ja diesen Leidenschaften eine edle Richtung gegeben.Der Phlegmatiker mag declamiren, und decla-miren hören, so viel er will er bleibt Phleg-matiker. Nicht Töne, sondern nur Bedürfnisse