355also nicht dazu, ehe sie das, was bloß Gegen-stand der Seele ist, um seiner selbst willen lie-ben lernen! Sie können gewiß anfangs nurdurch die Art, wie es ihnen vorgetragen wirddafür eingenommen werden.Und nun wollten Sie, mein Freund! ihnendie Religion, die doch ihre Führerin durchsLeben, ihre Trösterin im Leiden werden soll,mit dem Stocke in der Hand vortragen? Siewolltens vergeſſen, daß Sie dadurch IhreLehrlinge in Gefahr ſetzen, die unangenehmeEmpfindung, die sie Ihnen zu verdanken ha-ben, der Religion selbst beizumessen? Siewollten den Unterricht in der Religion wie denUnterricht in jeder andern Wiſſenſchaft behan-deln, und dadurch jene ebenfalls zu einer bloſ-sen Wissenschaft herabwürdigen?Nein! Die Erfahrung lehrt es, daß Men-ſchen, die in ihrer Jugend durch Strafen zurReligiosität angehalten wurden, hernach entweder offenbare Heuchler, oder wohl gar spöt-tische Verächter der Religion werden. Undwenn auch beides nicht immer der Fall ſeyn ſoll-te; so wird doch wenigstens der Grund zu nach-heriger Gleichgültigkeit gegen die Religion inihre Seele gelegt. Und ist nicht diese Gleich-gül-3•2
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2 (1791)
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