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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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WISSENSCHAFT!.., KÜNSTL. UND SOZIALE

genügenden Überblick über die Gesamtarbeit der Gärtnerei zu erhalten. Für die Gärtnerei, den Obst-und Weinbau ist es aber ebenso wie in der Landwirtschaft unumgänglich erforderlich, daß auchder Praktiker die notwendigsten Kenntnisse über den Bau und die Lebensbedingungen seiner Pflanzen,die Natur seines Bodens, das Wesen der Düngung oder die Organismentätigkeit im Weine usw.besitzt. Die rein praktisch-technische Vorbildung genügt den Anforderungen der Jetztzeit nicht mehr.Erst durch eine genügende wissenschaftliche Schulung, welche ihm ermöglicht, die Bedürfnisse dervon ihm kultivierten Pflanzen zu erkennen und die Erfolge der aufgewendeten Arbeit zu beurteilen,ist der Praktiker in der Lage, die ihm gegebenen natürlichen Verhältnisse in der rationellsten Weiseauszunützen, seine Pflanzen also zur höchsten Produktionsfähigkeit zu zwingen und infolgedessenauf dem Boden den höchsten Nutzeffekt zu erzielen.

Aber auch an die Allgemeinbildung des Gärtners werden heutzutage hohe Anforderungen gestellt.Bei der steigenden Konkurrenz genügt es nicht mehr, nur Produkte zu erzeugen, sondern der Gärtner,Obstbauer oder Weinwirt muß, will er für seine Mühen den rechten Lohn erhalten, auch verstehen,die von ihm gezüchteten Produkte rationell zu verwerten. Er muß eben auch Kaufmann sein unddeshalb auch die dafür notwendigen Kenntnisse besitzen. Soll sein Betrieb ein wirklich rationellersein, so muß er zu rechnen verstehen und sich durch eine genügende Buchführung jederzeit überden Stand seines Betriebes Auskunft geben können. Keiner besonderen Betonung bedarf es, daßder Gärtner auch mit den notwendigsten Kenntnissen der Arbeiter- und Lohnverhältnisse, derKranken-, Unfall- und Invaliditätsversicherungen vertraut sein muß.

Hier sind es nun die Fachschulen, welche eintreten und die Ausbildung des jungen Mannes inden genannten Richtungen vervollkommnen. Je nach ihren Einrichtungen und ihren Spezialaufgabenerstreben sie das gegebene Ziel in verschiedener Weise.

Eines der am reichsten und vollkommensten ausgestatteten derartiger Fachinstitute ist die König-lich Preußische Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim am Rhein.Die Zöglinge dieser Anstalt gliedern sich in Wein-, Obst- und Gartenbau-Schüler und Wein-, Obst-und Gartenbau-Eleven. Die Ausbildung der Schüler ist einjährig. Dieser Schülerkursus gibt jungenLeuten, welche die Notwendigkeit einer besseren Ausbildung im heutigen Berufsleben erkannthaben, Gelegenheit, sich im Obst- und Gartenbau vornehmlich praktisch zu vervollkommnen undsich diejenigen Kenntnisse anzueignen, welche als Grundlage zu einem lohnenden Betriebe derGärtnerei, des Obst- und Weinbaues notwendig sind.

Der Kursus für die Eleven, welche neben praktischer Tätigkeit eine Vorbildung aufweisen müssen,die der Reife für die Obertertia eines Gymnasiums entspricht, ist zweijährig und bezweckt dieHeranbildung von Lehrern an Gärtnerlehranstalten, Wein- und Obstbauschulen, Obst- und Weinbau-technikern, Wanderlehrern usw.

Außerdem werden an der Anstalt noch periodische, meist 8 bis 14 Tage dauernde Kurse überObst- und Gartenbau (für Landwirte, Lehrer, Baum- und Straßenwärter etc.), über Obstverwertung,Reblausbekämpfung, Weingärung, Weinuntersuchung und Obstweinbereitung abgehalten, an welchensich Praktiker oder sonst daran interessierte Personen beteiligen können.

Der Unterricht ist ein teils theoretischer, teils praktischer. Für letzteren sind der Anstalt mehrerepraktische Betriebe: Gartenbau (Landschaftsgärtnerei, Park-, Gehölzschulen, Gewächshäuser-,Frühbeet-Anlagen, Binderei), Obstbau (Obstmuttergarten, Obstspaliergarten, Obstbaumschule), Obst-verwertung, Gemüsebau, Weinbau und Kellerwirtschaft angegliedert. Außerdem sind mitder Anstalt noch drei wissenschaftliche Versuchsstationen über Pflanzenphysiologie, Önochemieund Pflanzenpathologie verbunden. In erster Linie dienen auch diese Versuchsstationen derAusbildung der Zöglinge. So erteilen die Vorstände derselben den wissenschaftlichen Unterricht inden betreffenden Fächern. In den Instituten selbst, die mit den modernsten Einrichtungen ausgestattetsind, werden die Eleven und Kursisten mit den einschlägigen Untersuchungsmethoden vertrautgemacht. Auch arbeiten in ihnen wie auch in den praktischen Betrieben Personen, welche sichkürzere oder längere Zeit in den einzelnen Gebieten weiter auszubilden wünschen, als Praktikanten.

Eine weitere Aufgabe der praktischen Betriebe und wissenschaftlichen Stationen besteht in ihrerVersuchstätigkeit und in ihrem direkten Verkehr mit der großen Praxis, der sie jederzeit mit Ratund Tat zur Seite stehen. Demselben Zwecke dienen noch drei weitere Stationen, nämlich fürHefereinzucht und Gärungsphysiologie, Rebveredlung und Meteorologie.

Ein treffliches Bild der Organisation dieser Anstalt und der den einzelnen Abteilungen obliegendenArbeiten gab die große Ausstellung derselben auf der Internationalen Kunst- und Großen Gartenbau-ausstellung in Düsseldorf 1904, die in dem linken Flügel des sogenannten Betonbaues untergebrachtworden war. Der Besucher erhielt zunächst eine gute Allgemeinübersicht durch Photographien derAnstalt und ihrer Teile, ausgelegte Jahresberichte, Statuten, Stundenpläne, Frequenzkarten usw. DieDarstellung des allgemeinen Unterrichtswesens zeigte Apparate aus der Physik, Chemie,