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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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schlummernde Zephyr', die in sanften Spielen um euch her den langen Tagsich ermüden, und wenn sie erwachen, dann finden sie um sich her gesam-melten Tau, in reinlichen Schalen der Blätter. (Salomon Geßner, Idyllen,1756.)

DICHTERISCHE JAHRESZEITEN IN EUTIN

In ebener, nördlicher Landschaft finden wir ihn (den Dichter) sich seinesDaseins freuend, unter einem Himmelsstrich, wo die Alten kaum nochLebendes vermuteten.

Und freilich übt denn auch selbst der Winter seine ganze Herrschaft aus.Vom Pole her stürmend bedeckt er die Wälder mit Reif, die Flüsse mit Eis,ein stöbernder Wirbel treibt um den hohen Giebel, indes sich der Dichter,wohlverwahrt, häuslicher Wöhnlichkeit freut und wohlgemut solchen Ge-walten Trotz bietet. Bepelzte, bereifte Freunde kommen an, die, herzlichempfangen, unter sicherem Obdach in liebevollem, vertraulich-gesprächigemKreise, das häusliche Mahl durch den Klang der Gläser, durch Gesang belebenund sich einen geistigen Sommer zu verschaffen wissen.Dann finden wir ihn auch persönlich den Unbilden des Winterhimmelstrotzend. Wenn die Achse mit Brennholz befrachtet knarrt, wenn selbst dieFußtritte des Wanderers tönen, sehen wir ihn bald rasch durch den Schneenach fernen Freundeswohnungen hintraben, bald zu großem Schlittenzugegesellt durch die weiten Ebenen hinklingeln, da denn zuletzt eine traulicheHerberge die Halberstarrten aufnimmt, eine lebhafte Flamme des Kaminsdie eindringenden Gäste begrüßt, Tanz, Chorgesang und mancher erwär-mende Genuß der Jugend sowohl als dem Alter genugtut.Schmilzt aber von einer zurückkehrenden Sonne der Schnee, befreit sichein erwärmter Boden nur einigermaßen von dieser lästigen Decke, so eiltmit den Seinen der Dichter alsbald ins Freie, sich an dem ersten Lebens-hauche des Jahres zu erquicken und die zuerst erscheinenden Blumen auf-zusuchen. Vielfarbiger Güldenklee wird gepflückt, zu Sträußen gebundenund im Triumph nach Hause gebracht, wo diese Vorboten künftigen Ge-nusses ein hoffnungsvolles Familienfest zu krönen gewidmet sind.Tritt sodann der Frühling selbst herein, so ist von Dach und Fach gar dieRede nicht mehr, immer findet man den Dichter draußen auf sanften Pfadenum seinen See herstreichen. Jeder Busch entwickelt sich im einzelnen, jedeBlütenart bricht einzeln in seiner Gegenwart hervor. Wie auf einem ausführ-lichen Gemälde erblickt man im Sonnenschein um ihn her Gras und Krautso gut als Eichen und Buchen, und an dem Ufer des stillen Wassers fehltweder das Rohr noch irgendeine schwellende Pflanze.

Hier begleitet ihn nicht jene verwandelnde Phantasie, durch deren unge-duldiges Bilden sich der Fels zu göttlichen Mädchen ausgestaltet, der Baumseine Äste zurückzieht und mit jugendlichen weichen Armen den Jäger zulocken scheint. Einsam vielmehr geht der gemütvolle Dichter als ein Priesterder Natur umher, berührt jede Pflanze, jede Staude mit leiser Hand und weihtsie zu Gliedern einer liebevoll übereinstimmenden Familie.Um ihn als einen Paradiesbewohner spielen harmlose Geschöpfe, das Lamm

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