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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
Seite
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Trachtens und Redens noch weit über die Zeit der Abkehr hinaus bestimmthat (und sei es auch nur durch den Gegensatz), ja, in manchem Sinn bis andessen Ende. Er gab dem stets Abwägenden das feste Ziel, dessen er sosehr bedurfte. Er gab dem künstlerischen Betrachter und Sucher die Gestaltdes großen Künstlers und den Glauben an die heilende, erweckende, zeugende,an die ewige Macht der Kunst. Der Jünger lieh ihm dafür die Fülle und Bieg-samkeit seines durchgebildeten Geistes, den seelendurchdringenden Blick unddas seelenverlockende Wort, die Höhe und Reinheit seiner äußeren Haltung.Doch hier, wie immer, ist der Wert des Jüngertums nicht danach abzumessen,was der eine oder der andere unmittelbar an Kraft und Wissen zu geben hatte(wobei man übrigens Wagners Anteil heute meist unterschätzt), sondern nachseiner Fruchtbarkeit überhaupt. Die sichtbare Gestalt des verehrten Mannesbedeutete für Nietzsche nicht nur Erlösung vom Druck einer unzulänglichenUmgebung und Erfüllung eines Wunschbildes, sondern die Vollendung allesdessen, was in ihm selbst zur Reife trieb. Nur an erschauter Wirklichkeitkonnte sich die Liebe auch des fernsten Traumes sättigen.Nur aus der höch-sten Kraft der Gegenwart dürft ihr das Vergangene deuten" so spricht erselbst in der Betrachtung über die Historie die Lehre dieser Erfahrung aus.Es war notwendig und nicht willkürlich, daß selbst die stärksten der ihnlenkenden Mächte, daß griechisches Wesen und sein eigenstes Erlebnis,dasDionysische", für ihn zuerst durch Wagner Licht und Wirksamkeit empfingen.

Ihn hatte er mit eigenen Augen gesehen, und nicht nur mit den Augen:Er hat ihn selbst mit jenem doppelten Blick des Liebenden und Erkennendenzugleich, den er an der geheimnisvollsten Stelle seiner Wagnerschrift demdithyrambischen Dramatiker zuspricht,zur Offenbarung seiner innerstenGeheimnisse gezwungen". Sein Bild hat er mit aller wirklichen Kraft und GrößeWagners gefüllt, er hat es in stolzem Wetteifer noch mit den eigenen Träumenbeschenkt, aber er hat auch noch das, was er zuviel gesehen hatte, ins Höhereumgedeutet. Wenn Wagner als Schöpfer auch niemals Erneuerer in demerhofften Sinn sein konnte, weil seine Kunst gerade noch die letzten Kräfteder Zeit entband, von der er im Gefühl ihres Leidens fortwollte der Gedanke,wenn nicht die Wirklichkeit von Bayreuth, in der von Nietzsche vertretenenReinheit, verhieß, aus der Erkenntnis wahrer Not entsprungen, auch wahreRettung. Schon damals war sichtbar geworden, daßnichts, was der Öffent-lichkeit entgegenkommt, auch nur den geringsten Wert hat". Außerhalballer handelnden Gesellschaft, im tiefsten Widerspruch zu aller anerkanntenBildung sollte ein Ort der Weihe entstehen, und dort die Kunst nicht dieseoder jene Kunstübung, sondern die Kunst als Urkraft des Menschen, als Ruferinder Götter gefeiert werden. Um einen heiligen Herd sollte ein heiliger Kreisgezogen werden, und aus einer kleinen Schar von erneuten Menschen derStrom des neuen Lebens sich über das ganze Volk ergießen. Allein dies neueLeben war in Wirklichkeit noch nicht erzeugt, und Nietzsche selbst verrietnoch mit seltsamer Deutlichkeit, daß er dies fühlte und daß er erkannte,worin der innerste Mangel von Wagners Schöpfung lag: erforderte von ihr eineWiedergeburt der Sprache und eine Erneuerung der Schauwelt. Die Musik

ihm selbst Lebenselement und Wagners eigenste Macht stellte er dar als

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