ABLEHNUNG UND BEGRENZUNG
WACHSENDE NEBEL
Es ist notwendig, daß jene, die guten Geistes sind, sich immer mehr aneinanderschließen; denn mächtiger wird mit jedem Tag das Schlechte in der Masse,enger und enger umschlingt die Schlange des Nordpols in ihren Ringen, immerfester schürzen sich ihre Knoten, und seit dem Untergange des orientalischenKaisertums war nie der Teufel mächtiger, und wir sind noch nicht am Wende-punkt, es wird noch kälter werden und noch trüber. Und daß die Götter nieder-steigen sollten in den giftig stinkenden Nebel, der sich überall um die Erdezieht, so daß kaum ihre höchsten Bergspitzen daraus hervorragen, das magich ihnen nicht zumuten. Propheten aus dem sterblichen Geschlecht habensie zu allen Zeiten herabgesendet, und sie sind gesteinigt worden, ihnen selbstwürde es nicht besser gehen, wenn sie nicht bewaffnet kämen mit der furcht-baren Aegide. (Görres, Brief von 1805.)
PRÜFSTEIN DES RANGES
Es gibt einen Instinkt für den Rang, welcher mehr als alles schon das An-zeichen eines hohen Ranges ist; es gibt eine Lust an den Nuancen der Ehr-furcht, die auf vornehme Abkunft und Gewohnheiten raten läßt. Die Fein-heit, Güte und Höhe einer Seele wird gefährlich auf die Probe gestellt, wennetwas an ihr vorübergeht, das ersten Ranges ist, aber noch nicht von den Schau-dern der Autorität vor zudringlichen Griffen und Plumpheiten gehütet wird:etwas, das unabgezeichnet, unentdeckt, versuchend, vielleicht willkürlich ver-hüllt und verkleidet, wie ein lebendiger Prüfstein seines Weges geht. Zu wessenAufgabe und Übung es gehört, Seelen auszuforschen, der wird sich in man-cherlei Formen gerade dieser Kunst bedienen, um den letzten Wert einer Seele,die unverrückbare eingeborne Rangordnung, zu der sie gehört, festzustellen:er wird sie auf ihren Instinkt der Ehrfurcht hin auf die Probe stellen.Difference engendre haine: die Gemeinheit mancher Natur spritzt plötzlichwie schmutziges Wasser hervor, wenn irgendein heiliges Gefäß, irgendeineKostbarkeit aus verschlossenen Schreinen, irgendein Buch mit den Zeichendes großen Schicksals vorübergetragen wird, und andererseits gibt es ein un-willkürliches Verstummen, ein Zögern des Auges, ein Stillewerden aller Ge-bärden, worin sich ausspricht, daß eine Seele die Nähe des Verehrungswürdig-sten fühlt. Die Art mit der im Ganzen bisher die Ehrfurcht vor der Bibelin Europa aufrecht erhalten wird, ist vielleicht das beste Stück Zucht und Ver-feinerung der Sitte, das Europa dem Christentum verdankt: solche Bücher derTiefe und der letzten Bedeutsamkeit brauchen zu ihrem Schutz eine von außenkommende Tyrannei von Autorität, um jene Jahrtausende von Dauer zu ge-winnen, welche nötig sind, sie auszuschöpfen und auszuraten. Es ist viel er-reicht, wenn der großen Menge jenes Gefühl endlich angezüchtet ist, daß sienicht an alles rühren dürfe; daß es heilige Erlebnisse gibt, vor denen sie dieSchuhe auszuziehen und die unsaubre Hand fernzuhalten hat, — es ist bei-
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