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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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2. GEISTIGE MENSCHEN

MATHILDES TOD

Als Erzbischof Wilhelm vernommen hatte, daß seine Großmutter Mathildezu Quedlinburg schwer erkrankt darniederliege und ihre baldige Auflösungdrohe, hatte er sich auf den Weg gemacht, um ihr den letzten Trost zu bringen.Hoch war Mathilde darüber erfreut, sie beichtete dem Enkel ihre Sünden, emp-fing die Absolution, ließ sich von ihm mit dem heiligen öl salben und das Abend-mahl reichen. Wilhelm hielt sich noch drei Tage zu Quedlinburg auf, denn erglaubte, in jedem Augenblicke werde der Tod eintreten; als aber die Sterbe-stunde sich zu verzögern schien, ging er zu ihr, sich zu verabschieden. Langesprachen sie miteinander bei diesem letzten Abschiede. Als dann Wilhelm auf-brechen wollte, rief Mathilde ihre treue Dienerin Richburg, die sie zur Äbtissindes in Nordhausen begründeten Klosters bestellt hatte, zu sich und fragte sie,ob sie nichts wüßte, was sie ihrem Enkel noch zum Andenken geben könnte.Nichts ist da," sagte Richburg,alles hast du bereits den Armen gegeben."Doch wo sind die Decken," erwiderte Mathilde,die ich für meine Bestat-tung zurückzulegen befahl? Laß sie bringen, daß ich sie als Liebeszeichen demEnkel auf den Weg gebe, er wird ihrer eher als ich bedürfen, denn er hat einebeschwerliche Reise zu machen. Wer kann auch wissen, was der folgendeTag bringt? Und sollte ich sterben, so wirds schon werden, wie die Leutesagen: Hochzeitskleid und Leichenhemde finden wohl die Angehörigen."Da brachte Richburg die Decken, und die alte Königin schenkte sie Wilhelm,der noch einmal die Großmutter segnete und dann von ihr schied. Indem erdas Gemach verließ, wandte er sich zu den Umstehenden und sprach:Ichgehe von hier nach Radulfsrode und lasse einen Geistlichen zurück, daß,wenn der Tod der Königin bald erfolgen sollte, jener zu mir eile und es mirmelde, ich will dann sogleich umkehren und die Bestattung in würdiger Weisebesorgen." Die alte Königin hatte jedoch diese Worte gehört, richtete ihrHaupt empor und sprach:Es ist nicht nötig, daß du den Boten hier läßt, denndu wirst auf deiner Reise eher seiner bedürfen. Geh in Christi Namen, wohinsein Befehl dich ruft." So entfernte sich Wilhelm von Quedlinburg und begabsich nach Radulfsrode, einem Orte am Harze, unfern Quedlinburg. Hier fühlteer sich bald unwohl, nahm eine Arznei, die ihm aber keine Linderung mehrschaffte. Die Kräfte verließen ihn plötzlich, und ganz unerwartet den Seinenstarb er am 2. März 968. Die Worte der greisen Königin waren prophetischgewesen. Sogleich eilten Boten nach Quedlinburg mit der Trauernachricht,die man der sterbenden Königin mitzuteilen zögerte. Als sie aber die entsetz-ten Mienen der Umstehenden sah und ihr geheimnisvolles Flüstern hörte,sagte ihr der Geist, was geschehen war.Warum", sprach sie,wollt ihres mir verhehlen? Erzbischof Wilhelm ist tot. Lasset die Glocken läuten undrufet die Armen zusammen und gebet ihnen Almosen, daß sie zu Gott für seineSeele beten." Zwölf Tage überlebte noch Mathilde ihren Enkel, dann kamdie Stunde auch ihrer Erlösung. Sie endete an einem Sonnabend um dieneunte Stunde des Tags, wo sie sonst die Armen um sich zu sammeln pflegte,

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