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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
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die edlere Aufgabe zu sehen, aber sein Dämon war ihr entgegen. (Kurt Hilde-brandt, Wagner und Nietzsche, Ihr Kampf gegen das neunzehnte Jahrhundert,1924.)

LEHRER UND SCHÜLER

Die Baseler waren befriedigt, diesenseltenen Vogel" eingefangen zu haben,und der große Amtsbruder Jacob Burckhardt fand, Nietzsche sei ebensoKünstler wie Gelehrter. Doch fühlte dieser, daß auf diesem Wege nicht vielzu erreichen sei, daß er mit seiner idealen Forderung einsam dastehe und demPublikum seinHomerisches Geschrei" eigentlich eine Last sei. Ihm laganfangs mehr am Unterricht an der Oberprima des Gymnasiums, an der un-mittelbaren Einwirkung auf die Jugend. Ob er ein vorbildlicherLehrer"im engen Sinne war, darüber sind die Berichte nicht einig. Er übertrug in dieWirklichkeit, was er in der Antrittsrede gefordert hatte: die Philologie mitPhilosophie zu durchdringen. Viel von Plato, auch in Übersetzungen, zulesen, war ihm wichtiger, als die genaue Absolvierung des vorgeschriebenenPensums. Er wirkte als Prediger, nicht als Forscher, er erzog durch ethischeWürde. Ohne Strafe, ja ohne Tadel erweckte er in den Jungen den Ehrgeiznach seinem selten gespendeten einsilbigen Lobegut", und mit dem natür-lichen Instinkt einer hingebenden Jugend empfanden sie als Auszeichnung,daß er ihretwegen seinem hochfliegenden Geist Zwang antat. Trotz seinerLiebenswürdigkeit erzwang der Adel seiner Person ihren unbegrenzten Re-spekt, und sie lasen schwärmerisch begeistert die Geburt der Tragödie.Hältman unter den Schülern Umfrage," berichtet der so skeptische Bernoulli,so scheinen sie einig in der scheuen Nachempfindung, sie hätten da nichtso sehr einem Berufspädagogen zu Füßen gesessen, als etwa einem leibhaftigenEphorus aus Altgriechenland, der mit einem Sprung über Zeit und Sittenmitten unter sie trat, um ihnen von Homer, Sophokles, Plato und ihren Götternzu erzählen. Als berichte er aus eigener Anschauung von ganz selbstverständ-lichen und noch vollauf zu Recht bestehenden Dingen so wirkte er auf sie."Die empfängliche Jugend fühlte also, was bis heute so wenige sahen, Nietz-sches wahren Beruf: wie ein Gesandter eines klassischen Hellas zu kommen,um eine neue Gemeinde zu gründen. (Kurt Hildebrandt, Wagner und Nietzsche,Ihr Kampf gegen das neunzehnte Jahrhundert, 1924-)

NIETZSCHE UND WAGNER

Es war Nietzsche vergönnt, den großen maßgebenden Menschen unter denZeitgenossen zu erblicken und Freund zu nennen. Er fand ihn in RichardWagner, und damit zugleich die erste unverlierbare Formung seines Wesens undSchicksals. So verwirrend auch und in der ganzen Geistesgeschichte vielleichtunvergleichbar das Verhältnis dieses Meisters und dieses Jüngers war, wieschwer abzuschätzen das jedem Zukommende im Geistigen und Sittlichen,man darf festhalten, daß der Ältere der Meister blieb, dessen Werk schongetan war und der nur für seine Person und äußere Wirkung noch Zuwachsempfing, daß er aber für den Jüngeren Richtung, Gestalt und Farbe alles

15 Wolters, Der Deutsche. IV, 2.

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