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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
Seite
210
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3. BÜNDE

REUCHLIN UND MELANCHTHON

Philipp Schwarzerd, in griechischer Übersetzung Melanchthon, gehörte mehrund wahrhafter als irgendein anderer zur Schule Reuchlins. Reuchlin wareiner seiner nächsten Verwandten, hatte seine Erziehung geleitet, mit sinn-voller Hingebung folgte der junge Mensch den Anweisungen und dem Bei-spiele des Meisters. Die innere Kraft, welche richtig begonnene Studien immerentwickeln, die Teilnahme, die er in seinen Altersgenossen fand und vor allemeine unvergleichliche, vom ersten Anfang an ihres Berufes gewisse Fähigkeitführten ihn dann auf das rascheste vorwärts, schon im siebzehnten, acht-zehnten Jahr hatte er es dahin gebracht, in Tübingen lehren, einige kleine

Bücher grammatischen Inhalts erscheinen lassen zu können.-------Zwischen

dem Meister und dem Jünger bestand das edle Verhältnis einer die Welt erstin halber Klarheit vor sich sehenden Jugend und der natürlichen Überlegen-heit gereifter Jahre.Wohin du mich schicken willst," schreibt Melanchthonan Reuchlin,dahin will ich gehen; was du aus mir machen willst, das willich werden".Gehe aus", antwortet ihm Reuchlin,von deinem Vaterlande,von deiner Freundschaft". Mit der Verheißung, welche dem Abraham geschah,segnet und entläßt er ihn. (Leopold von Ranke, Deutsche Geschichte imZeitalter der Reformation, 1839/1847.)

SANSSOUCI

In Sanssouci vereinigte Friedrich den Kreis der Männer um sich, denen er seinbesonderes freundschaftliches Vertrauen schenkte. Denjenigen, die ihm ausder schönen Rheinsberger Zeit geblieben waren, wußte er bald neue Freundezuzugesellen. Unter den letzteren ist besonders der Marquis d'Argens zu er-wähnen, der, von provenzalischer Geburt, in der Heimat wegen seiner freienGesinnung nur Verfolgungen erlitten hatte, hier aber ein sicheres Asyl fand. DieAnmut seines Benehmens, die feine Bildung seines Geistes, vor allem aberdie treue, anspruchslose Hingebung an den König machten ihn diesem baldso wert, daß er nachmals die Stelle in Friedrichs Herzen einnahm, die früherJordan besessen hatte. Durch gleiche Treue war Friedrichs literarischer Sekre-tär Darget ausgezeichnet. Als einer der alten Freunde ist hier noch BaronPöllnitz zu erwähnen, der schon unter König Friedrich I. gedient und sichdurch vielseitige Kenntnisse, besonders aber durch eine unerschöpfliche ge-sellige Laune empfohlen hatte, obgleich der Leichtsinn und die Unbeständig-keit seines Charakters ihn stets daran hinderten, Friedrichs näheres Vertrauenzu gewinnen. Im Frühjahr 1744 hatte er sich sogar durch sehr unüberlegteHandlungen den völligen Verlust der königlichen Gnade zugezogen und konntedieselbe nur dadurch wiedergewinnen, daß er sich auf strenge Bedingungenförmlich unterwarf. Die letzteren lauteten dahin, daß er mit keinem Gesandtenverkehre, daß er die Freuden der königlichen Tischgesellschaft nie wiederverderbe und daß öffentlich in Berlin verboten würde, ihm, bei hundert Du-

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