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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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marschall vorzulassen. Dies geschah, der König empfing ihn mit gnädigemGruße und deutete dem Diener durch einen Wink an, das Zimmer zu verlassen.Im Vorzimmer hörte der Kammerhusar nun, wie das Gespräch zwischen demKönige und Schwerin immer lauter ward und endlich so heftig, daß ihm an-fing bange zu werden. Bald aber legte sich der Sturm, die Unterhaltung wardwieder ruhiger und endlich ganz leise. Dann öffnete sich die Tür, Schwerinverneigte sich mit einer heiteren, zufriedenen Miene gegen den König, unddieser sagte mit gütigem Tone:Ew. Exzellenz essen zu Mittag bei mir."Fortan war das gute Vernehmen zwischen den beiden großen Männern wieder-hergestellt. Was in jener Stunde gesprochen wurde, hat nie ein dritter er-fahren.

Mit dem größten Enthusiasmus aber wurde von Friedrich derjenige Mann auf-genommen, der ihn unablässig wie kein zweiter anzog, dessen Geist allein ihmzu genügen vermochte und den er schon oft vergeblich ganz für sich zu gewin-nen versucht hatte, Voltaire. Noch im Jahre 1749 hatte Friedrich demfranzösischen Dichter geschrieben:Sie sind wie der weiße Elefant, dessent-wegen der Schah von Persien und der Großmogul Krieg führen und dessenBesitz, wenn sie glücklich genug gewesen sind, ihn erlangt zu haben, einenvon ihren Titeln bildet. Wenn Sie hierher kommen, so sollen Sie an der Spitzedes meinigen stehen: Friedrich, von Gottes Gnaden König von Preußen, Kur-fürst von Brandenburg, Besitzer von Voltaire." Da zerrissen plötzlich die Bande,die ihn an seine Heimat gefesselt hatten, und er folgte dem jahrelangen An-dringen des Königs. Am 10. Juli 1750 traf er in Sanssouci ein, um fortan beiFriedrich zu bleiben. Er erhielt den goldenen Schlüssel des Kammerherrn,den Verdienstorden und ein bedeutendes Jahresgehalt, welches sich bald bisauf die Summe von 5000 Talern steigerte. Friedrich bewies ihm die entschie-denste Huldigung. Prinzen, Feldmarschälle, Staatsminister beeiferten sich,ihm ihre Aufwartung zu machen.

Voltaires Gegenwart brachte in der Tat einen Reiz in das Leben von Sans-souci, der alles zu schnellerer Bewegung, zu vollerer Äußerung der Kräfte mitfortriß. Jeder war bedacht, sich ganz zusammenzunehmen, um so der scharfenÜberlegenheit des Dichters entgegentreten zu können. Alles beschäftigte sichmit Wissenschaft und Poesie, die Prinzen und Prinzessinnen suchten in derDarstellung der Tragödien, zu denen man jetzt unverzüglich schritt, den An-forderungen des Meisters zu genügen. Dabei blieb in dem engeren Kreisealler Zwang, alles Zeremoniell verbannt. Voltaire fand vollkommene Mußezur Vollendung seiner Arbeiten, die er in Frankreich, wo das Wort nicht freiwar, hatte liegen lassen müssen. Er konnte sein Leben gestalten wie er wollte,nur die Abendmahlzeiten pflegten den Kreis der Vertrauten zum heiterenGenüsse zu vereinen. Hier war alles Witz und Geist, und Voltaire und Fried-rich standen einander als die Herrscher im Reiche des Geistes gegenüber.(Franz Kugler, Geschichte Friedrichs des Großen, 1840.)

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