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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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bemüht haben, im Umgang mit Jüngeren und Gleichgesinnten etwas wie einekünstlerische Überlieferung zu schaffen. Selbst der Naturkraft Böcklin mochtedie Ahnung ans Herz rühren, daß zum letzten Gelingen die Natur allein nichtausreiche, daß man allenfalls wie seinAbenteurer" unbesiegt über eineSchädelstätte reiten kann, daß aber das Geheimnis der Dauer einer mensch-lichen Kultur auf der Möglichkeit einer höheren Lebensbindung beruhe.Und so geschieht es, daß stärker als ,,Pest" undKrieg" und Mutterklageam Leichnam des hehren Sohnes uns jenes schlichte Bild ergreift, wo Odysseussich von dem Liebeslager der schönen Kalypso entfernt hat und, während dieGöttin fragend und kaum begreifend dem Helden nachschaut, dieser abge-wandt, vom blauen Mantel dicht umschlossen, auf der Klippe der Zauberinselsteht, zwischen sich und seiner unsichtbaren Heimat das endlose Meer. (Wil-helm Stein, Deutsche Malerei von Feuerbach bis Heckel, 1925.)

ERNST VON BERGMANN

Ernst von Bergmann entstammte dem russischen, im Kern deutschen Liv-land, wo er in Riga 1836 als Sohn eines Pfarrers geboren wurde. Er konntein seiner volltönenden Sprache, die er so meisterhaft beherrschte, niemals denHeimatklang verleugnen. Meist freilich war das heimatliche Idiom bei ihmabgemildert durch eine ungewöhnliche Grazie der Sprechweise. Sein Rede-ton konnte etwas unendlich Verbindliches, Diplomatisches, Verlockendes er-halten, aber auch ebenso schwerterscharf in die Diskussion hineinschwirren.Wenn schon die Sprache, dieser Verräter und zugleich Hehler innerlichsterVorgänge, den Einfluß des Jugendlandes bezeugte, so war dieser Einfluß aufseine tiefsten Überzeugungen noch viel deutlicher fühlbar. Er war im Eltern-haus gewohnt, die Dinge im Bann der ewigen Mächte zu betrachten, und ist,wie der befreundete Geistliche an seinem Sarge zu vieler Überraschung ge-sagt hat, sein Leben lang tief religiös gewesen. Es ist von großem Wert, zuwissen, daß ein Mann dieses Schlages also kein Materialist war, daß er trotzmedizinischer Schulung einen religiösen Unterstrom in sich bewahrte, aus demseine Begeisterung für alle Taten der Nächstenliebe eine verborgene Speisungerfuhr. Auch seine Liebe zur russischen Heimat mag oft auf eine harte Probegestellt worden sein; so zum Beispiel, als ihm die Gunst des russischen Kaisersden Petersburger oder Kiewer Lehrstuhl der Chirurgie anbot und er zugleicheinen Ruf nach Würzburg erhielt. Gern hätte gewiß der Zar einen so bewährtenMann dem Russischen Reich erhalten, und Bergmanns Rede auf dem Schlacht-feld von Plewna hat bewiesen, daß ihm seine Entscheidung für das deutscheVaterland nicht leicht geworden sein kann.

Wohlgerüstet mit den Waffen aus allen vorhandenen Arsenalen kam Ernst vonBergmann 1882 im August nach Berlin, ein bis dahin völlig unbekannter Mannund doch der Nachfolger eines Bernhard von Langenbeck.-------Vor dem ent-schlossen zupackenden Griff des eben gelandeten Eroberers blieb kaum einStein auf dem anderen. Ein bis in die letzten Einzelheiten ausgearbeitetesSystem des antiseptischen Drills wurde mit der Strenge und Pedanterie einermilitärischen Instruktion den alten, liebgewordenen Gepflogenheiten gegen-

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