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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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aus dem unplastischen Gefühlsüberschwang und der erstarrenden Verstandes-mäßigkeit noch mit vierzig Jahren nach dem Süden getrieben hatte, nicht umseinem Schicksal zu entfliehen, vielmehr um durch die Vermählung des deut-schen Geistes mit dem südlichen Körpersinn seinem Volk die erste ganz voll-endete Gestalt des Deutschen zu gewinnen. Er wußte, weil er es in sich fühlte,daß dies auf keine andere Weise damals zu erobern war. Wir sehen heuteklarer, wie Goethe nicht etwa das Rom der Päpste oder das antike Rom suchenging, wie aber Italien für ihn das Land bedeutete, in dem sich vom hellenischenMenschtum, dem ewigen Vorbild jedes edleren Deutschen, am meisten erhaltenhatte. Nicht anders erging es jenen drei großen Malern. Hatte einem Daviddie napoleonische Herrschaft seineSabinerinnen" und ,,Leonidas an denThermopylen" eingegeben, so fand Feuerbach auf Goethes Spuren in Romdie Lebensbilder, die ihn zu seinerIphigenie", seinerMedea", seinemGast-mahl" begeisterten. In der Schule Coutures hatte Feuerbach das malerischeHandwerk der Franzosen dermaßen beherrschen gelernt, daß er zu jener Zeitals der entschiedenste deutsche Kolorist gelten konnte. Der Verzicht aufbestimmte Oberflächenreize, den ihm später seine großen Vorwürfe eingaben,wurde von den Kritikern als Nachlassen seiner Malfähigkeit angesehen; dennkeiner ahnte etwas davon, daß dieses neue Grau demselben Grund entstammte,wie die Sehnsuchtsblässe Iphigeniens, diedas Land der Griechen mit derSeele suchte". Die Sehergabe Hölderlins, die Traumkraft Jean Pauls konnteneine hellenische Wirklichkeit für die Nachgeborenen nicht hervorzaubern,weil er als bildender Künstler an das Sichtbare, im Leben bereits Vorgeformtebis zu einem gewissen Grade stets gebunden sein wird. So muß zugestandenwerden, daß weder in der Amazonenschlacht, noch im Symposion, ihrem ideel-len Gegenstück, die heroische Luft, die etwa Feuerbachs Tridentiner Berg-landschaft umwittert, versinnlicht werden konnte.

Marees' vielleicht noch kühnerer Versuch, die antike Leiblichkeit, das Maßdes edlen Leibes in rhythmischen Gebilden nackter Figuren heraufrufen zuwollen, rückt auch in Rom erst in Greifensnähe und mußte schließlich dochhier sein Ziel verfehlen. Das goldene Braun seines glücklichsten Werkes, derWandbilder in Neapel, die in enger Werkgemeinschaft mit seinem jugendlichenFreund, dem Bildhauer Hildebrand entstanden, trübt sich in den späteren Bil-dern zu einer zähen, stofflich fast quälenden Masse, es will bei allem Wohl-klang der Glieder des Einzelnen und seiner Bindung mit andern den Gestaltennicht gelingen, sich von dem schweren Grunde zu lösen. v Umringt von Schü-lern und gleichgesinnten Künstlern mußte Marees, ebenso wie der stets ein-sam schaffende Feuerbach, im letzten allein bleiben, weil das noch so schönGedachte nur schön und frei sich im Werk entfalten kann, wenn es kraft meinesund deines Blutes sich entfalten darf und nicht ein Gespinst der Einsamkeitist.

Ungleich kräftiger als die beiden künstlerischen Gefährten schien ArnoldBöcklin ausgestattet, als er, in Düsseldorf unter dem Landschaftsmaler Schir-mer geschult, nach einem kurzen Pariser Studienaufenthalt Rom zusteuerte.Was ihm aus seiner alemannischen Heimat an besonderen Kräften zugewach-sen war, können wir, die am herbsten und herrlichsten Zustrom des Rheins

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