konnte. Es möchte schwer sein, einem Leser, der nicht wie ich jugendlich teil-nehmender Hörer war, es begreiflich zu machen, wie es mir, wenn Schellingzu uns sprach, öfters so zumute wurde, als ob ich Dante, den Seher einer nurdem geweihten Auge geöffneten Jenseitswelt, läse und hörte. Der mächtigeInhalt der in seiner wie mit mathematischer Schärfe abgemessenen Redelag, erschien mir wie ein gebundener Prometheus, dessen Bande zu lösenund aus dessen Hand das unverlöschende Feuer zu empfangen, die Aufgabe
des verstehenden Geistes ist.-------
Aber nicht nur in der Persönlichkeit, nicht nur in der Gabe der Rede lag dieMacht, durch welche Schelling mit seiner Philosophie so allgemeines Auf-merken weckte, sondern in ihrer inneren Wahrheit. Schelling sprach mitÜberzeugung aus, was er selber geistig geschaut, erfahren hatte, und dieseÜberzeugung von einem Etwas, das wirklich so ist, teilte sich andern in sieg-reicher Kraft mit.
Schellings Vorlesungen bildeten den Mittelpunkt eines geistigen Verkehrsder Studierenden, der für alle, welche an ihm teilnahmen, ein höchst wohl-tätiger und förderlicher wurde. Man fühlte das Bedürfnis, wie bei der gluck-lichen Lösung eines tiefsinnigen Rätsels, sich den Fund des Verständnisses denman bei dem weiteren Eingehen in die Gedanken des Lehrers gemacht hattegegenseitig mitzuteilen und das zu vernehmen, was andere daraus erfaßthatten. Bei dieser Gelegenheit kamen sich solche inniglich nahe, die bei derVerschiedenheit ihres äußeren künftigen Berufs und ihrer sogenannten Brot-studien, sich nur im Vorübergehen würden begegnet sein. Der wissenschaft-liche Gemeinsinn, welcher alle besseren Zuhörer Schellings ergriff, ward zueinem Bunde der Seelen, der bei dem Hinausgehen seiner Mitglieder in die ver-schiedensten Richtungen des bürgerlichen Lebens nichts von seiner anfang-lichen Festigkeit verlor, sondern durch das Fortwirken in gleicher Gesinnungmit den Jahren immer nur kräftiger wurde. (Gotthilf Heinrich von Schu-bert, Selbstbiographie, 1854.)
CAROLINE
Die romantische Frau ist Caroline. Wenn Novalis der Geist und Friedrichdas Temperament der Romantik waren, so darf sie deren Leib und Seele hei-ßen. Liest man ihre Briefe, so scheint alles um sie her nur ihr Atem. Sie isteine der großen Frauen der Geschichte, ein geborener Mittelpunkt ein ele-mentarisches und mit Verhängnis geladenes Wesen, voll Zauber und Verder-ben, voll tröstlicher Weisheit und ruhigen Kindersinns; mit jeder Lockungund Gefahr der Sinnlichkeit ganz durchtränkt, ganz Leib und bis in die Finger-spitzen beseelt, ein rührendes und mächtiges Geschöpf. Man begreift, warummanche der tiefsten Kräfte der Romantik nicht zu Produktionen werden konn-ten: sie waren gleichsam in dieser Frau gebunden. „Bewegte Sinnlichkeit ,der Inhalt der Romantik, war ja hier körperlich unter die: Sucher gestellt.Hier war das Fleisch Seele geworden, nicht durch christliche Entkörperungund mystische Umkehr, sondern gerade durch Erfüllung seines eigensten Sinns,im Sonnenlicht des Genusses und in der Luft des alltäglichen Geschehens.
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