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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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uns hier das im Einzelnen so kümmerlich ängstliche botanische Studium inseiner Verklärung auf einem Gipfel, wo es uns einen lebhaften und einzigenGenuß gewähren soll.

Nachdem Linne ein Alphabet der Pflanzengestalten ausgebidet und unsein bequem zu benutzendes Verzeichnis hinterlassen, nachdem de Jussieudas große Ganze schon naturgemäßer aufgestellt, scharfsinnige Männer immer-fort mit bewaffnetem und unbewaffnetem Auge die unterscheidenden Kenn-zeichen aufs genaueste bestimmen und die Philosophie uns eine belebte Einheiteiner höheren Ansicht verspricht: so tut hier der Mann, dem die über die Erd-fläche verteilten Pflanzengestalten in lebendigen Gruppen und Massen gegen-wärtig sind, schon vorauseilend den letzten Schritt und deutet an, wie daseinzelne Erkannte, Eingesehene, Angeschaute in völliger Pracht und Fülledem Gemüt zugeeignet, und wie der so lange geschichtete und rauchendeHolzstoß durch einen ästhetischen Hauch zur lichten Flamme belebt werdenkönne.

Alles das Beste und Schönste, was man von Vegetation jemals unter freiemund schönem Himmel gesehen, wird wieder in der Seele lebendig und die Ein-bildungskraft geschickt gemacht und aufgeregt, dasjenige, was uns durchkünstliche Anstalten durch mehr oder weniger unzulängliche Bilder und Be-schreibungen überliefert worden, sich auf das Kräftigste und Erfreulichstezu vergegenwärtigen. (Goethe, In der Jenaischen Literaturzeitung, 1806.)

SCHELLING IN JENA

Wer zu meiner Zeit in Jena in einer späteren Stunde des Nachmittags überden Marktplatz ging, der konnte da einem Zusammenlauf der Studierendenbegegnen, der so zahlreich, als zu keiner andern Stunde des Tages war. Mansah da Jünglinge aus den verschiedensten Landschaften beisammen, mit denTheologen zugleich Juristen und Mediziner, unter ihnen auch gereiftere Män-ner, welche den Lauf der akademischen Studien längst zurückgelegt hattenoder von anderem Stande waren, als dem der Gelehrten.

Nur die Fremdlinge konnten fragen: was gibt es hier? Jeder, der nur seitwenigen Tagen an der Universität gelebt hatte, der wußte es: jetzt ist die Stunde,in welcher Schelling seine Naturphilosophie liest.

Was war es, das Jünglinge wie gereifte Männer von ferne und nahe so mächtigzu Schellings Vorlesungen hinzog? War es nur die Persönlichkeit des Mannesoder der eigentümliche Reiz seines mündlichen Vortrages, darin diese an-ziehende Macht lag? Allerdings, wenn ich aus eigener Erfahrung sprechendarf, war der Eindruck, den diese Persönlichkeit machte, von so ungemeinerArt, wie ich ihn bei keinem anderen Universitätslehrer meiner Zeit gefunden.Schelling war, als ich ihn hörte, seinen Jahren nach ein Jüngling unter unsJünglingen; die Ehrerbietung, mit welcher wir alle ihn betrachteten, galt eineranderen, in seinem ganzen Wesen liegenden Würde, als jene ist, die das höheregereifte Alter und die vieljährige Erfahrung einem ergrauten Haupte ver-liehen. In seinem lebendigen Worte lag eine hinnehmende Kraft, welcher,wo sie nur einige Empfänglichkeit traf, keine der jungen Seelen sich erwehren

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