bar fördernden Eingreifen der Machthaber, teils in der Vereinigung einer Aristo-kratie von Gelehrten unter der Form von Gesellschaften oder Akademien.Thomasius hielt die Freiheit für einen kräftigeren Hebel des geistigen und wissen-schaftlichen Fortschritts, als alle Sozietäten, und leitete aus dem Mangel dieserFreiheit, nicht, wie Leibniz, aus dem Mangel an Protektion der Gelehrtenseitens der Vornehmen, das Zurückbleiben Deutschlands hinter anderenLändern in Wissenschaft und Bildung ab. Daher wandte sich Leibniz immerund überall an die Großen und suchte diese für seine weitumfassenden Plänezu gewinnen, während Thomasius, darin mehr den republikanischen Sinndes unabhängigen Gelehrten bekundend, nur wenig Verkehr mit Fürsten pflegteund, wo er es tat, kaum je etwas anderes von ihnen begehrte, als Schutz undGerechtigkeit gegen seine Verfolger.
Leibniz war ebenso rücksichtsvoll nach allen Seiten, wie Thomasius häufigrücksichtslos. Jener erkannte gern andere an, wie er auf Anerkennung beianderen rechnete, und besaß das seltene Talent, in allen, selbst den abweichend-sten Meinungen, irgend etwas zu entdecken, was den seinigen wahlverwandtund zur Anbahnung einer Verständigung geeignet schien — für diesen warsteter Kampf ein Lebenselement, und so streng und konsequent verfuhr erin Verteidigung dessen, was er für das Rechte hielt, und in Bekämpfung desGegenteils, daß er selbst solche, die in manchen Punkten mit ihm überein-stimmten, unerbittlich befehdete, sobald sie an irgendeine Seite seiner Über-zeugungen rührten.
Unstreitig war Leibniz an Tiefe, Vielseitigkeit und Originalität des Geistesseinem jüngeren Strebensgenossen bei weitem überlegen, dagegen übertrafihn dieser an Stärke des Charakters, Energie des Willens, Mut und Selbstver-leugnung in Verteidigung der Wahrheit. (Karl Biedermann, Deutschlandim 18. Jahrhundert, 1854/1880.)
PÖPPELMANN UND GEORG BAHR
Vom ganzen Jahrhundert unerreicht an schwelgerischer Phantasie ist Mat-thäus Daniel Pöppelmann, gleich Georg Bahr geborener Sachse und in Dresdentätig. Hier gab die Prunklust Augusts des Starken die glücklichste Gelegen-heit zur Entfaltung. Pöppelmann hatte nicht lange Zeit, sich ungehindertauszusprechen — sehr früh griff hier der französische klassizistische Ge-schmack ein. Um so dankbarer müssen wir sein, daß wenigstens der „Zwinger"uns erhalten ist, ein steingewordener Turnierplatzring, das großartigste Bei-spiel für die Verewigung einer meist flüchtig gemeinten Dekoration zum Monu-ment. Die ganze Anlage umschloß einen Platz für Ringelstechen und ähn-Üche festliche Belustigungen — und der gleiche Pöppelmann, der in der herr-schen, nun verschwundenen Eibbrücke ein Meisterstück des Nutzbaues gab,entfesselte hier eine Pracht, die das Höchste an springender geistiger Lust er-reicht. Es ist Pracht, aber zugleich Leichtigkeit. Die schäumende Orna-mentik ist durch einen großartig klaren Grundriß am Bande gehalten. EinzelneAbbildungen mögen hier täuschen — auf keinen Fall können sie mehr alseine erste Ahnung geben. Man muß das Ganze erleben, um die elastische
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