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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
Seite
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Dies ist die ehrliche und einhellige Ansicht der Schriftsteller dieser Zeit. Ristnennt Opitz den „Erretter deutscher Sprache". Der männliche Logau, wederSchmeichler, noch Nachbeter, rühmt:

Im Latein sind viel Poeten, immer aber ein Vergil,Deutsche haben einen Opitz, Dichter sonsten eben viel.

Der arme, von ihm vernachlässigte Simon Dach verherrlicht ihn als das „Wun-der der Deutschen", den „Ausbund und Begriff aller hohen Kunst und Gaben".Jede Vorrede zu Gedichtbänden des 17. Jahrhunderts huldigt ihm. NochHaller verteidigt sich 1748 mit des Opitz unangefochtenem Muster, und Gott-sched hielt ihm hundert Jahre nach seinem Tod eine abstrichlose Lobredeals dem Gesetzgeber, Dichter, Sprachschöpfer, Gelehrten und Weisen. Kaum,daß sein süddeutscher Rival Harsdörffer und sein Übertreiber Hofmanns-waldau ihm die Originalität der Erfindung vorsichtig absprachen — alsSprachmeister und Formenmuster haben auch sie ihn rückhaltlos anerkannt.Opitz bestimmt den Stil, die Gesinnung, die Gattungen, fast den Stoff derweltlichen deutschen Verskunst im 17. Jahrhundert und ist, wenn nicht ihrmenschlich liebenswertester und dichterisch reinster Vertreter, so doch ihr

geschichtlich wichtigster.-------Vielleicht liegt sein Verdienst weniger in dem,

was er geschaffen, als was er verhütet: die Flucht deutschen Geistes aus dereuropäischen Bildung. Er hat eine Brücke gebaut zwischen Petrarca undGoethe über den von Luther gerissenen Abgrund hinweg. Manche werdendiesen Abgrund heilsamer finden und wir könnten uns schönere Brückendenken. Aber so wie es gekommen, trägt sie seinen Namen. (Friedrich Gun-dolf, Martin Opitz, 1923.)

JOHANN SEBASTIAN BACH

Mit wie universaler Meisterschaft auch Bach Arie und Arienabwandlungen,Opern und Tanzformen des von ihm abgeschlossenen Zeitalters beherrschte,mit welch anmutiger Leichtigkeit er sie auch in den Dienst seines engenProtestantischen Kirchentums zu stellen vermochte — das Herz seines Schaf-fens schlägt im Rhythmus der Fuge, der sinnlich greifbare Träger oder Er-r eger seiner unendlichen Klangträume ist die Orgel. Bach übernimmt dasErbe vieler Organistengeschlechter, nicht nur handwerklich, sondern auchblutmäßig, da ja seine leiblichen Ahnen und Ohme auch seine Vorgänger undLehrer waren. Aber während diese sich vollkommen in ihr Amt und ihre Zeiteinordnen, sprengt Bach (zum erstenmal in der Musikgeschichte) alle Gren-zen, die durch irdische Anlässe gegeben sein können. Nur seine Seele, seinePersönliche unsterbliche Seele, ist Gesetz und Grenze seines Werkes, ihr un-ablässiges Kreisen um Gott der Atem seiner Töne. Freilich empfindet dieseSeele ihre Loslösung von der irdischen Welt nicht oder drückt sie nicht aus,da sie allein auf die mystische Versenkung in des Unsichtbaren Geheimnisgerichtet ist. Darum ist keine Spur von Gewaltsamem oder Eigenwilligem°der Sprengendem in ihrem Klange, vielmehr ist ihrer erhabenen Demut ge-mäß, sich allen überlieferten Gesetzen aufs strengste zu fügen, so daß wir hier

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